Letzte Pläne der Chefstrategen
US-Wahl: Der finale „Spin“

Mit einem Mega-Werbespot wollen die Berater von Barack Obama den demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten noch einmal richtig in Szene setzen. Rund 140 Stunden bleiben den Chefstrategen der beiden Bewerber, bis die Amerikaner an die Wahlurnen treten. Nicht mehr viel Zeit, um den eigene Schützling anzupreisen – nach Meinung der Experten aber sicherlich genug Zeit, um die letzten schmutzigen Attacken zu fahren.

DÜSSELDORF. Die Berater schalten am Mittwochabend zur besten Sendezeit einen halbstündigen „Infomercial“ mit dem Titel „Barack Obama: American Stories“. Die Mischung aus Werbung und Information wird auf mindestens drei großen Fernsehsendern übertragen – was sogar den Start des sechsten Spiels der World Series im Baseball verzögern könnte.

Den kniffligeren Job dürfte derzeit jedoch Steve Schmidt haben. Der Chefstratege des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain ist zwar auf „Message-Entwicklung“ spezialisiert. Dennoch konnte sein Schützling in den TV-Duellen nicht punkten und liegt in den Umfragen weiter hinter Obama. „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass das McCain-Team kurz vor der Wahl noch den entscheidenden Trumpf aus der Tasche zieht“, meint Politikwissenschaftler Klaus Kamps. Der Experte für politisches Kommunikationsmanagement wäre nicht überrascht, wenn es sich dabei um skandalträchtige Details über Obama handelt, die den Demokraten direkt ins Abseits manövrieren.

Der republikanische Chefstratege Schmidt wird also derzeit vermutlich am letzten großen Aufschlag vor dem Wahltag feilen. Schmidt ist Jahrgang 1970 und wird laut „New York Times“ auch „The Bullet“ – die Kugel – genannt. Das Blatt führt diesen Spitznamen auf das blanke Haupt des Wahlkämpfers zurück. Der Beiname könnte aber genauso gut von der korpulenten Statur des Beraters herrühren.

Schmidt selbst spricht mit sparsamer Gestik, hebt allenfalls mal den Zeigefinger, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen. Er gilt allerdings als Meister der geschliffenen Argumentation, hat schon für George W. Bush bei der vergangenen Präsidentschaftswahl gekämpft und dem kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger vor zwei Jahren zum Wahlsieg verholfen. „Kurz vor der Wahl kann vor allem das Phänomen der Negativkampagnen zunehmen“, sagt Wahlkampfexperte Kamps. Auch Susanne Fengler, Journalistik-Professorin an der Uni Dortmund und Expertin für US-Journalismus, hält ein verstärktes „mudslinging“, also Schlammschlachten, für wahrscheinlich.

Gemeint sind damit von den Wahlkampfteams lancierte oder skandalisierte Berichte über die den jeweiligen politischen Gegner. Dass Obama Kontakte zu Terroristen unterhält, McCain mit korrupten Bankern gemeinsame Sache macht und seine Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin zu Wahlkampfzwecken 150 000 Dollar für Kleidung und Make-up ausgibt – in den vergangenen Wochen des US-Wahlkampfes wurde eine Menge solch dreckiger Wäsche gewaschen.

Auf demokratischer Seite wird Chefstratege David Axelrod darum vor allem bemüht sein, kurz vor der Wahl Negativkampagnen gegen Obama zu unterbinden und selbst die Schwächen McCains noch einmal kräftig zu betonen. Der „Spin Doctor“ dürfte bis zum Schluss darum kämpfen, den Geschehnissen dem ihm genehmen „Spin“, also Dreh zu verpassen.

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