Letzte Rettungsbemühungen laufen
Fällt Montag die Kirch-Entscheidung?

Nach gescheiterten Krisen-Gesprächen rechnen Banken und Unternehmenskreise für Montag fest mit einem Insolvenzantrag für das Kerngeschäft der KirchGruppe. "Es ist vorbei", hieß es in Verhandlungskreisen. Bis zum Büroschluss des Münchner Amtsgerichts wurde aber noch kein Insolvenzantrag gestellt - es geht also in ein ungewisses Wochenende.

HB/dpa MÜNCHEN. In der Nacht zum Freitag hatten sich Bankmanager mit dem anglo-amerikanischen Medienunternehmer Rupert Murdoch in Los Angeles getroffen. Zugleich fanden weitere Verhandlungen zwischen Gläubigern und Investoren in München statt. Beide Runden brachten nicht die erhoffte Einigung.

Aus dem Kreis der Kirch-Minderheitsgesellschafter wurde am Freitag erneut die Ablehnung bekräftigt, in die KirchGruppe zu investieren. Die Lösung der Krise liege bei den Banken, sagte Mediaset-Präsident Fedele Confalonieri. "Wichtig in dieser Angelegenheit ist, dass wir dabei bis heute Geld verloren haben. Wir hoffen, das Geld wiederzubekommen und sind zuversichtlich, dass die Banken und die deutsche Regierung das übernehmen." Die Banken fordern dagegen einen Beitrag der Investoren zur Kirch-Rettung.

Der Insolvenzantrag gilt nach dem Scheitern der Gespräche als unausweichlich. Bis zum Büroschluss des Münchner Amtsgerichts am Freitag um 15.00 Uhr ging allerdings noch kein Insolvenzantrag der KirchGruppe ein, sagte ein Gerichtssprecher. Damit kann sich das Gericht erst am Montag mit einem solchen Antrag befassen. Es wird erwartet, dass Kirch am Montagmorgen den Schritt macht.

Nur noch ein Wunder könne helfen. Die KirchGruppe hatte laut Unternehmenskreisen einen Insolvenzantrag für ihre Kerngesellschaft KirchMedia angekündigt, falls die Gespräche zwischen Banken und Minderheitsgesellschaftern endgültig scheitern sollten. Und viele Beteiligte sehen in einer Insolvenz mittlerweile auch die Chance für einen Neuanfang wichtiger Teile des Kirch-Imperiums.

Überlegungen der Bundesregierung, den Bundesliga-Vereinen im Falle des Wegbrechens der Millionenzahlungen von Kirch für die Fernsehrechte mit Bundesbürgschaften unter die Arme zu greifen, stießen bei Union, FDP, Wirtschaft und auch in der SPD auf massive Kritik. Dagegen verteidigte Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye in Berlin entsprechende Überlegungen von Bundeskanzler Gerhard Schröder. Dem Kanzler gehe es nicht um die großen Clubs, sondern um die kleinen Vereine. "Es ist absurd zu glauben, dass die Bundesregierung die Gehälter von Fußballmillionären absichern will." Konkrete Pläne gebe es aber nicht, da die KirchGruppe die nächste Rate von 100 Millionen Euro zum 15. Mai zahlen wolle. Vor allem für zahlreiche Vereine der 2. Bundesliga bilden die Rechte-Zahlungen die Existenzgrundlage.

Unions-Kanzlerkandidat Stoiber forderte Schröder auf, seine Pläne für Bürgschaften völlig zurückzuziehen. "Das ist wie der 1. FC Holzmann. Diese Frage regelt der Markt und nicht der Staat", sagte Stoiber. Auch Arbeitsminister Walter Riester (SPD) ging im ZDF auf Distanz zu möglichen Bürgschaften. Die Ligen bangen insgesamt um rund 900 Millionen Euro, die in einem Vierjahresvertrag bis 2004 festgeschrieben sind und mit der drohenden Pleite höchst fraglich geworden sind. Sicher schien am Freitag, dass auch bei einer baldigen Insolvenz der KirchGruppe die Bundesliga-Berichterstattung in Kirchs TV-Sendern SAT.1, Premiere und DSF zunächst weiter geht.

Die Gewerkschaft ver.di warnte davor, angesichts der Krise von Kirch die Zukunft der Fußball-Bundesliga wichtiger zu nehmen als die der knapp 10.000 Beschäftigten der KirchGruppe. Es wirke "gespenstisch, wenn sich die Vorschläge für die Rettung der Fußballvereine häufen, während das Thema Arbeitsplätze nur am Rande behandelt wird", sagte Frank Werneke, im ver.di-Bundesvorstand für Medienpolitik zuständig. Er forderte einen Runden Tisch, an dem auch Gewerkschaften und Betriebsräte sitzen müssten. Die bayerische Staatsregierung sei gefordert, die Mitschuld an der aktuellen Entwicklung trage, erklärte Werneke. Die Gewerkschaft sprach sich ausdrücklich gegen eine Übernahme der KirchMedia durch Silvio Berlusconi und Rupert Murdoch aus. Ein Engagement Berlusconis als italienischer Ministerpräsident verstoße gegen das Prinzip der Staatsfreiheit des Rundfunks.

Eine Übernahme der KirchMedia durch Berlusconi, Murdoch und die anderen Minderheitsgesellschafter galt bisher als letzter Ausweg vor einer drohenden Insolvenz. Bei den Verhandlungsrunden in Los Angeles und München hätten die Minderheitsgesellschafter zunächst Zugeständnisse signalisiert, dann aber doch auf ihrer Position beharrt, hieß es. "Die Investoren streiten sich, wer was kriegt und lassen es dann lieber platzen."

Doch egal wie die Kirch-Krise ausgeht, der Finanzchef der KirchGruppe, McCamman Cook, muss nach Informationen aus Branchenkreisen in jedem Fall das Unternehmen verlassen. Er sei in der heißen Verhandlungsphase in den Urlaub geflogen und nicht erreichbar gewesen. Bei den Rettungsbemühungen sei eine unklare Verbindlichkeit von 50 Millionen Euro aufgetaucht, hieß es. Beim Versuch, den Posten aufzuklären, habe man vergeblich nach dem verantwortlichen Finanzchef gesucht. Die Entlassung des Managers dürfte damit einer der ersten Schritte eines vorläufigen Insolvenzverwalters sein, hieß es.

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