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Letzte Treibstoffblockaden in Frankreich aufgehoben

80 Prozent der Tankstellen im Land hatten den Verkauf von Benzin und Diesel einstellen oder einschränken müssen, weil ihnen der Kraftstoff ausging. Die Proteste haben seit Freitag auch Nachahmer in Großbritannien gefunden, das die höchsten Kraftstoffpreise in Europa aufweist. Nach Angaben des Shell-Konzerns ist mittlerweile 30 Shell-Tankstellen in der Region der Treibstoff ausgegangen. Aus Liverpool wurden Panikkäufe an Tankstellen gemeldet.

Reuters PARIS. In Frankreich haben protestierende Spediteure am Sonntag die letzten Blockaden vor Raffinerien und Tanklagern aufgehoben, mit denen sie eine tagelange Treibstoffkrise ausgelöst hatten. Das Innenministerium teilte mit, alle der zwischenzeitlich über 150 Blockaden im Land seien geräumt. Die Fuhrunternehmer hatten mit den sechstägigen Protesten eine Senkung der Dieselsteuer erreicht und zugleich schwere Versorgungsengpässe an Tankstellen und Flughäfen verursacht. Die Minerölkonzern TotalFinaElf teilte mit, seine Tanklastzüge hätten bereits begonnen, die seit Tagen auf dem Trockenen sitzenden Pächter zu beliefern. Normalität an den Zapfsäulen werde jedoch wohl erst in Tagen einkehren.

TotalFinaElf teilte mit, es würden zunächst die Regionen um Nantes im Westen und Marseille im Süden des Landes beliefert, wo es besonders große Krafstoff-Engpässe gebe. Im Laufe des Tages sollten die Tankstellen an den Hauptstraßen und Autobahnen des Landes wieder versorgt sein. Es könne jedoch bis zu einer Woche dauern, bis die normale Kraftstoffversorgung in Frankreich wieder hergestellt sei.

Das Innenministerium hatte bereits am Samstag mitgeteilt, die Fuhrunternehmer seien auf dem Rückzug. Die Proteste hatten am Montag begonnen, nachdem französische Fischer der Regierung in der vergangenen Woche mit einer Hafenblockade erfolgreich eine höhere Subventionierung des Schiffsdiesel-Preises abgetrotzt hatten. Den Protesten schlossen sich im Laufe der Woche auch Bauern, Taxifahrer und Binnenschiffer an, die sich durch die gestiegenen Dieselpreise in ihrer Existenz bedroht sehen.

Der Chef des größten Fuhrunternehmerverbandes FNTR, Rene Petit, hatte am Freitag nach Verhandlungen mit der Regierung zum Ende der Proteste aufgerufen, weil die Regierung wichtige Zugeständnisse gemacht habe. Die Spediteure hatten zunächst eine Senkung der Mineralölsteuer um 20 Prozent gefordert, die Regierung des sozialistischen Ministerpräsidenten Lionel Jospin war jedoch nur zu einer Senkung um maximal 15 Prozent bereit.

Am Samstag schlossen sich auch der kleinerer Verband Unostra und die Bauernverbände FNSEA und CNJA den Forderungen nach einem Ende der Blockaden an. FNSEA und CNJA teilten mit, bei nächtlichen Verhandlungen mit Landwirtschaftsminister Jean Glavany seien ausreichend Fortschritte erzielt worden, um die Proteste zu beenden. Zwischenzeitlich hatten 80 Prozent der Tankstellen im Land den Verkauf von Benzin und Diesel einstellen oder einschränken müssen, weil ihnen der Kraftstoff ausging. Die Proteste haben seit Freitag auch Nachahmer in Großbritannien gefunden, das die höchsten Kraftstoffpreise in Europa aufweist. Im nordwestenglischen Stanlow bei Liverpool setzten Spediteure die Blockade einer Raffinerie des britisch-niederländischen Konzerns Royal Dutch/Shell fort. Nach Angaben des Konzerns ist mittlerweile 30 Shell-Tankstellen in der Region der Treibstoff ausgegangen. Aus Liverpool wurden Panikkäufe an Tankstellen gemeldet.

Seit Januar 1999 sind die Diesel- und Benzinpreise in Großbritannien um über 40 Prozent gestiegen. Der Literpreis für Benzin liegt derzeit in Großbritannien bei umgerechnet 2,60 Mark, 75 Prozent davon entfallen auf die Mineralölsteuer. In Italien blockierten Fischer am Samstag aus Protest gegen die hohen Schiffsdieselpreise Hafenkais im ganzen Land. Irische Lastwagenfahrer kündigten für kommende Woche ebenfalls wegen der hohen Dieselkosten landesweite Protestaktionen an. Grund für die gestiegenen Kraftstoffpreise sind die derzeit hohen Ölpreise, die in den vergangenen Tagen ein Zehnjahres-Hoch erreicht hatten.

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