Letzte Vorbereitungen für das TV-Duell
Showdown ohne Schnickschnack

Staatstragendes dunkelblau, hellgraue Rednerpulte und viel Acryl: Die Studio-Kulisse für das TV-Duell wäre auch für jede beliebige Talkshow gut.

HB BERLIN. Doch diesmal geht es ums Ganze: Kein optischer Schnickschnack soll den Showdown zwischen dem Kanzler und seinem Herausforder aus der Union stören. Wenn sich an diesem Sonntag (20.15 Uhr) die beiden Spitzenkandidaten nach US-Vorbild auf den Privatsendern SAT.1 und RTL vor laufenden Kameras begegnen, treten erstmals in Deutschland ein amtierender Regierungschef und sein Widersacher zum medialen Redewettstreit an.

Am 8. September, wenn sich Schröder und Stoiber unter Federführung von ARD und ZDF an gleicher Stelle zum zweiten Duell treffen, wird sich kaum etwas ändern. Statt Peter Kloeppel (RTL) und Peter Limbourg (SAT.1) werden Sabine Christiansen (ARD) und Maybrit Illner (ZDF) die Fragen vom Studio-Schreibtisch aus stellen.

Das erste Kanzlerduell in der Geschichte der Bundesrepublik findet ausgerechnet auf dem Gelände des früheren DDR-Fernsehens im Ost- Stadtteil Adlershof statt, dort also, wo einst Karl Eduard von Schnitzler in seinem "Schwarzen Kanal" den Westen beschimpfte und die "Aktuelle Kamera" die Verlautbarungen des SED-Staates ausstrahlte.

Hans-Peter Urban, Vorsitzender Geschäftsführer des heute zum Studio Hamburg gehörenden Studios Berlin, trägt die Last der Geschichte mit Fassung. "Babelsberg hatte Marlene Dietrich, wir hatten Schnitzler", sagt Urban. Die Babelsberger Konkurrenz hatte sich ebenfalls als Austragungsort für das Politduell beworben. Den Ausschlag für Adlershof gab unter anderem das etwa 2400 Quadratmeter Studio A, wo 300 Journalisten und 200 Promis auf Riesenleinwänden die Debatte verfolgen werden.

Die Parteimanager haben nichts dem Zufall überlassen

Die Parteimanager haben nichts dem Zufall überlassen. Bis in feinste Einzelheiten haben die "Paten" der Duellanten, der CDU - Wahlkampfmanager Michael Spreng und Vize-Regierungssprecher Bela Anda, den Ablauf 75 Minuten-Debatte fest gelegt: Die Dauer der Antworten (90 Sekunden je Kandidat), die Nachfragen (zwei Mal je Themenkomplex), die Positionen der Kameras (keine Kamerabewegungen) und die Höhe der elektrisch verstellbaren Rednerpulte hinter denen die Kandidaten stehen. Und damit auch wirklich nichts schief läuft, werden die Duellanten mit jeweils zwei Mikrofonen verkabelt.

Berichte, wonach die Strippenzieher von CDU und SPD sich das Recht vorbehalten wollten, in die Regie einzugreifen, möchte SAT.1- Chefredakteur Jörg Howe nicht kommentieren. "Sehr professionell" seien die Verhandlungen gewesen, sagt er. Zutritt zum Studio haben nur die Kandidaten, die Moderatoren und die Techniker. Draußen, so rechnet Howe, werden zwischen sechs und acht Millionen Zuschauer die Sendung verfolgen.

Mit Hilfe einer ausgeklügelten Logistik soll eine Begegnung von Stoiber und Schröder vor dem Duell verhindert werden

Mit Hilfe einer ausgeklügelten Logistik soll eine Begegnung von Stoiber und Schröder vor dem Duell verhindert werden. Sie werden sich in separaten, jeweils etwa 140 Quadratmeter großen Räumen auf die Debatte einstimmen, in getrennten "Masken" geschminkt und durch zwei verschiedene Türen in das Studio marschieren.

Unter den Sicherheitskräften wird am Sonntag höchste Alarmstufe herrschen. Das Studiogelände etwa zwölf Kilometer Luftlinie von der Mitte Berlins soll einer Festung gleichen und weiträumig abgeriegelt werden. Auf dem nahe liegenden Flughafen Schönefeld sollen Hubschrauber für jede Eventualität zum Einsatz bereit stehen.

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