Letzter Kontakt mit Regierungsvertreter im Oktober
Bush distanziert sich von Enron-Debakel

Die US-Regierung hat den Vorwurf zurückgewiesen, ihre gesamte Energiepolitik an den Interessen des inzwischen zusammengebrochenen Energiehändlers Enron ausgerichtet zu haben.

Reuters WASHINGTON. Präsidialamtssprecher Ari Fleischer erklärte, im Energieplan 2001 sei es um die Versorgungslage in den USA gegangen - und zwar nicht auf Anfrage eines Unternehmens oder einer Person. Enron teilte unterdessen mit, sich von seinem Wirtschaftsprüfer Andersen unter anderem wegen der Vernichtung von Dokumenten zu trennen. Der einstige Börsenstar hatte Anfang Dezember nach Bilanzfälschungen Konkurs eingereicht. Die US-Börsenaufsicht SEC forderte angesichts des Enron-Andersen-Debakels eine Neuordnung der Aufsicht.

In einem Bericht der oppositionellen Demokraten hieß es, die Energiepolitik habe Enron in mindestens 17 Fällen begünstigt oder aber deren Vorstellungen übernommen. Zudem lehnte es die Regierung erneut ab, Informationen zu Kontakten zwischen der Energie-Arbeitsgruppe von Vize-Präsident Dick Cheney und Energie-Unternehmen, darunter auch Enron, herauszugeben. Die US-Regierung hatte bereits zu einem früheren Zeitpunkt bestätigt, von Enron vor dessen Kollaps gewarnt worden zu sein. Enron-Chairman Kenneth Lay hatte den Wahlkampf von US-Präsident George W. Bush großzügig unterstützt.

Den Regierungsangaben zufolge hatte Enron im vergangenen Herbst womöglich seine Fühler ausgestreckt, um Chancen für eine finanzielle Rettung des Unternehmens bei der Regierung Bush auszuloten. Bush hatte sich zuletzt von Lay distanziert. Die Regierung bestätigte aber, dass Enron-Vertreter mindestens sechs Mal Cheney oder seine energiepolitischen Mitarbeiter trafen. Den letzten Kontakt hat es diesen Angaben nach im Oktober gegeben.

Die Führungsspitze von Enron habe angesichts der jüngsten Ereignisse beschlossen, Anderson als seine Wirtschaftsprüfer zu entlassen, teilte Lay mit. Ein Andersen-Sprecher sagte, dass die Partnerschaft mit Enron bereits mit dem Bankrott des Unternehmens beendet gewesen sei.

Andersen teilte zudem mit, dass in der Besprechung sowie der Notiz, die vom 6. Februar 2001 datierte, nichts auf illegale Handlungen oder eine unsachgemäße Bilanzierung bei Enron hingedeutet habe. Andersen habe erst durch die Hinweise von der damaligen Enron-Mitarbeiterin Sherron Watkins von möglichen Ungereimtheiten in den Bilanzen erfahren. Untersuchungen eines Ausschusses des US-Repräsentantenhauses in dieser Woche hatten ergeben, dass Watkins im vergangenen August Andersen zunächst telefonisch und dann in einem Brief an Enron-Chairman Kenneth Lay auf die Probleme bei Enron hingewiesen hatte. Der Ausschuss hatte den entlassenen Andersen-Partner David Duncan zu den Verbindungen von Andersen zu Enron und zur Vernichtung der Dokumente befragt und Tausende von Dokumenten durchgesehen.

Andersen hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass Mitarbeiter im Enron-Fall Dokumente vernichtet hatten. Mit der Entlassung von Duncan in dieser Woche hatte Andersen erste offizielle Eingeständnisse von Fehlern bei der Prüfung des in Houston ansässigen Energiehändlers gemacht. Weitere drei mit dem Enron-Fall betraute Mitarbeiter wurden beurlaubt.

Unterdessen forderte SEC-Chairman Harvey Pitt angesichts des Enron-Andersen-Debakels die Einrichtung eines Kontroll-Gremiums, das mit neuen Kompetenzen ausgestattet werden soll. Er stelle sich eine Art öffentliches Gremium mit Privatpersonen vor, das vorrangig mit der Kontrolle von Qualitität und Disziplin betraut sein werde, fügte er hinzu. Details müssten erst noch ausgearbeitet werden.

Enron hatte Anfang Dezemer 2001 Gläubigerschutz nach dem US-Konkursgesetz beantragt. Rückwirkend musste Enron Bilanzen korrigieren, weil Verluste aus Partnerschaften nicht berücksichtigt worden waren. Vor seinem Zusammenbruch galt Enron als einer der erfolgreichsten Energie-Handelskonzerne der Welt.

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