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Letzter Kraftakt für DFB-Team im Smog von Bangkok

Die Klimakeule im schwülen Smog von Bangkok und nochmals ein halber Tag im Flugzeug haben den deutschen Fußballern körperlich den Rest gegeben.

dpa BANGKOK. Die Klimakeule im schwülen Smog von Bangkok und nochmals ein halber Tag im Flugzeug haben den deutschen Fußballern körperlich den Rest gegeben.

Trotzdem soll eine Verlegenheits-Elf nicht einmal 48 Stunden nach der ärgerlichen Niederlage in Südkorea die Asien-Tortur gegen den Fußball-Zwerg Thailand das Jahr des Aufbruchs mit einem Erfolg positiv beschließen. Während Kapitän Michael Ballack und weitere Leistungsträger wie Miroslav Klose oder Bernd Schneider allenfalls für einige Goodwill-Minuten zu Gunsten der thailändischen Fans zum Einsatz kommen werden, fordert Jürgen Klinsmann von seinem Zufalls-Team um Aushilfs-Kapitän Arne Friedrich ein letztes Mal volle Konzentration.

"Wir wollen nochmal eine engagierte Leistung abliefern", sagte der Bundestrainer, der weiß, dass im Nationalstadion von Bangkok weniger der international drittklassige Gegner ein Problem darstellen dürfte als vielmehr die schwierigen Begleitumstände. So strich Klinsmann nach dem sechsstündigen Flug vom südkoreanischen Winter in den schwül-warmen thailändischen Sommer sogar das sonst vor jedem Länderspiel obligatorische Abschlusstraining im Stadion. Die Spieler sollten nicht noch weitere Energie auf einer nervigen Busfahrt durch das Verkehrschaos der 12-Millionen-Metropole einbüßen. "Eine Stunde hin und eine zurück: Das Training wäre für die Katz' gewesen", sagte Klinsmanns Assistent Joachim Löw: "Lieber regenerieren wir und können dann morgen noch einmal Leistung einfordern."

Bei einem gemeinsamen Barbecue im Hotel "Banyan Tree", das praktisch schon einem Jahresabschluss gleichkam, konnte auch das noch frische 1:3 gegen Südkorea die positive Atmosphäre nicht trüben. "Die Stimmung hat durch die Niederlage in keinster Weise gelitten. Sie ist weiterhin sehr, sehr gut und positiv", versicherte Klinsmann. Aber eigentlich sehnen alle nur noch den Heimflug herbei, der nur drei Stunden nach dem Abpfiff erfolgt. "Wir müssen versuchen, die Asien-Reise mit einem Sieg gegen Thailand zu beenden. Dann ist alles okay", meinte Oliver Kahn, der auch nur noch als Tourist in Bangkok dabei ist.

Selbst den jungen Spielern, für die jedes Länderspiel auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2006 eine wichtige Bewährungschance ist, fällt die Motivation immer schwerer. "Ich bin voller Vorfreude auf den Urlaub danach, aber wir müssen uns noch einmal voll konzentrieren im letzten Spiel des Jahres", erklärte der 20-jährige Hannoveraner Per Mertesacker und gab zu: "Körperlich ist es eine Riesenanstrengung."

Darum wird Klinsmann wohl auch hart bleiben und die stark beanspruchten Ballack, Kahn, Klose, Wörns, Schneider und Ernst aussetzen lassen. Allerdings flehten die thailändischen Gastgeber bei der Pressekonferenz Klinsmann geradezu an, den in Thailand besonders populären Ballack "wenigstens 30 Minuten" spielen zu lassen. Der Bundestrainer erhielt begeisterten Beifall von den einheimischen Journalisten und Fans, als er erklärte, nochmal mit dem Bayern-Star zu reden: "Vielleicht will er noch unbedingt rein. Ich bezweifle es, aber ich leite ihre Bitte an Michael weiter", erklärte Klinsmann.

Unbedingt spielen möchte Timo Hildebrand. Der Torhüter des VfB Stuttgart darf erstmals von Anfang an ran, nachdem er Ende April bei seinem Länderspiel-Debüt beim 1:5-Debakel in Rumänien Kahn beim Halbzeitstand von 0:4 ablöste. "Ich freue mich, dass ich mich endlich mal über 90 Minuten präsentieren kann", sagte Hildebrand.

Ein unvergesslicher Abend wird es auch für Arne Friedrich werden. In seinem 24. Länderspiel darf der Abwehrspieler von Hertha BSC das Nationalteam erstmals als Kapitän aufs Spielfeld führen - und das ausgerechnet zwei Tage nach seiner unglücklichen Leistung beim 1:3 gegen Südkorea. "Damit habe ich ganz bestimmt nicht gerechnet", kommentierte der 25-Jährige seine Wahl. Klinsmann hatte ihn auf dem Flug nach Bangkok unterrichtet und nannte die Entscheidung logisch. "Arne ist derjenige, der mit am längsten dabei ist. Und er ist schon ein Führungsspieler bei Hertha."

Der Aushilfs-Chef wird ein bunt zusammengewürfeltes Team anführen, das in dieser Formation garantiert keine Zukunft hat. "Wir ändern die Mannschaft grundlegend, aber an unserer Ausrichtung ändern wir nichts. Wir wollen nach vorne spielen", erklärte Klinsmann.

Große Gegenwehr ist vom Gegner kaum zu erwarten. Der deutsche Trainer Siegfried Held hat nach dem frühzeitigen Scheitern in der Qualifikation für die WM 2006 bereits mit dem Aufbau eines Teams für die WM-Endrunde 2010 in Südafrika begonnen. Das Durchschnittsalter beträgt 22 Jahre, und Klinsmann erwartet einen Gegner, der sein Heil im Tore verhindern suchen wird. Die Zuschauer werden aber ohnehin in erster Linie zwischen 200 und 2000 Baht (4 bis 40 Euro) für eine Eintrittskarte bezahlen, um die deutschen Spieler zu sehen. Allerdings werden sie Ballack und Kahn wohl nur als Touristen bewundern können.

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