Letzter unabhängiger Spartenkanal vor dem Aus
Der Markt um die Premiere Plattform kommt in Bewegung

Der letzte unabhängige Spartenkanal auf der Plattform Premiere World steht vor dem Aus. Der Angler- und Jägerkanal scheiterte an hohen Kosten. Andere Sender machen sich dagegen zurzeit große Hoffnung auf mehr Vielfalt und Wettbewerb. Auch die Plattform Premiere World rüstet sich für neue Konkurrenz.

jgo HAMBURG. Der Digital-Spartenanbieter Multihématiques wird den Angler- und Jägerkanal Seasons zum 30. September einstellen, weil sich die Verbreitungskosten nach Unternehmensangaben in den vergangenen zwei Jahren verdreifacht haben. Unternehmenssprecherin Petra Dietzel sagte, immer höhere Rechnungen der Telekom hätten die Berechnungsgrundlagen des Senders erschüttert. Unverändert auf Sendung bleibt bei Premiere World hingegen das Dokumentarfilmangebot Planet, das als Teil des Familiy Paketes vermarktet wird.

Unternehmensangaben zufolge zahlt Multihématiques nur für die Einspeisung von Seasons in die Kabelnetze jährlich 3 Mill. DM. Im Ausland übernehmen die Netzbetreiber die Einspeisungskosten. In Deutschland kam der seit 1997 verbreitete Sender zuletzt auf 75 000 Abonnenten. "Unter der Voraussetzung stabiler Technikkosten hätten wir planmäßig die Gewinnschwelle erreicht, das Wachstum lag über den Erwartungen", sagte die Sprecherin. Noch gebe Multihématiques den deutschen Markt zudem auch bei Seasons nicht verloren. "Wir sind bestrebt, den Sender weiter zu führen", sagte die Sprecherin.

Auf der Premiere-Plattform hätte der Sender allerdings auch ohne steigende Verbreitungskosten keine Zukunft mehr gehabt. Der Vertrag war von Premiere World bereits für Mitte nächsten Jahres gekündigt worden. Hoffnungen setzt das Unternehmen daher vor allem auf die neuen Kabelnetzbetreiber, und unter ihnen besonders auf die Holding Liberty Media, die bei Multihématiques Gesellschafter ist.

Die Unternehmen Liberty Media und Callahan werden nach der Übernahme von gemeinsam 93 Prozent des Telekom-Kabels das Kabelfernsehen in Deutschland dominieren. Mit einem Ausbau der Infrastruktur und neuen Programmangeboten wollen sie die Attraktivität der Kabelanschlüsse in den kommenden Monaten deutlich erhöhen.

Neue Konkurrenz für Premiere World

In wieweit die Netzbetreiber dabei selbst als Inhalteanbieter auftreten werden, ist noch unklar. Während sich kleinere werbefinanzierte Sender Sorgen machen, zu Gunsten von Pay-TV-Angeboten aus dem Kabel verdrängt zu werden, wittern vor allem auch ausländische Unternehmen eine Chance, auf dem deutschen Markt stärker Fuß zu fassen. "In der nächsten Zeit wird sich für viele einiges ändern", sagt Phaedra Jeta, Pressesprecherin von Universal Studios Networks Deutschland. "Premiere World wird nicht die einzige Plattform für Digital-TV bleiben."

Bislang ist die Pay-TV-Tochter von Vivendi-Universal mit den beiden Formaten Studio Universal und dem Genrekanal 13th Street Teil des Basisangebotes der Premiere-World-Plattform. Nach Auffassung der Unternehmenssprecherin ist aber auch das Interesse der Kabelnetzbetreiber an attraktiven Inhalten groß. "Es kommt dabei vor allem auf die Paketierung an", sagt Jeta. Als Teil eines Programmpaketes bleiben den Einzelprogrammen hohe Einspeisungsgebühren erspart, gleichzeitig aber können sie sich auch nicht so stark profilieren.

Der Pressesprecher von Premiere World, Dirk Heerdegen, gibt zwar zu, dass der Angler- und Jägerkanal mit Inkrafttreten der jüngsten Programmreform der letzte Einzelsender auf der Premiere-Plattform geworden ist, hält aber auch bei derartigen Angeboten funktionierende Geschäftsmodelle für denkbar. "Es ist mehr als voreilig zu sagen, dass bestimmte Refinanzierungsmodelle tot sind." Ein Sender müsse nur sicher stellen, dass die Verbreitungskosten durch die Abonnentengebühren aufgefangen werden könnten. Plausibler ist die Klage über zu hohe Einspeisungskosten nach seiner Auffassung vielmehr bei werbefinanzierten Sendern, die keine Gebühren erheben können.

Pay-TV-Monopolist spürt den Wettbewerb

Der Markteintritt der Kabelnetzbetreiber hat Premiere World aufgeschreckt. Zurzeit testet das Unternehmen, wie die feste Verklammerung der Programmplattform (Premiere World) mit Zugangstechnik (d-box) und Verschlüsselungssoftware (Betacrypt) gelockert werden kann. "Wir suchen zusätzliche Verbreitungswege" sagt Heerdegen. Auch das Dilemma der autistischen Settop-Boxen, die nicht mit anderen Programmen zusammen arbeiten können, soll bald überwunden werden. "Es ist allen Marktbeteiligten klar, dass die derzeitige Situation nicht günstig ist."

Premiere World wird zudem in den kommenden Monaten sein Programmangebot erneut der veränderten Lage anpassen. Die neue Marktsituation hat nach den Worten des Sprechers auch ihre Vorteile. "Wir gehen davon aus, dass die Marketingaufwendungen für Digital-TV und Pay-TV steigen werden, wovon wir profitieren werden", sagt Heerdegen. Bislang ist es dem Unternehmen trotz millionenschwerer Kampagnen nicht gelungen, die Idee der digitalen Programmplattform zu vermitteln. Viele Deutsche halten Premiere World nach wie vor für einen Sender.

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