Letzter Versuch:
Durch Rettung der ISMM-Gruppe WM-Rechte sichern

Für die Schweizer Sportrechte-Agentur ISMM/ISL ist wenige Tage vor einer Konkursentscheidung ein letzter Rettungsversuch unternommen worden. Nach übereinstimmenden Medienberichten hat sich am Donnerstag in Zürich ein Konsortium aus Bertelsmann und dem französischen Mischkonzern Vivendi mit dem Schweizer Unternehmen auf Übernahmebedingungen geeinigt. Auf diese Weise soll das Aus des wichtigsten Marketingpartners des Internationalen Fußball-Verbandes (FIFA) noch abgewendet werden.

dpa ZÜRICH. Das strategische Ziel der Übernahme ist es, die lukrativen WM- Rechte der ISMM-Gruppe in Besitz zu bekommen und sich als Sportrechtehändler als ein Gegengewicht zur Münchner Kirch-Gruppe zu etablieren. Die unter akuter Konkursgefahr stehende ISMM/ISL hatte für insgesamt 2,2 Mrd. Schweizer Franken (2,8 Mrd. DM) Rechte an den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 erworben. Sie versprechen hohe Gewinne. Die finanzielle Schieflage der ISMM-Gruppe ist durch den nicht refinanzierbaren Ankauf anderer Sportrechte entstanden. So soll das Schweizer Unternehmen allein für 2000 einen Verlust von über 600 Mill. Schweizer Franken angesammelt haben.

Die FIFA erklärte am Freitagvormittag, sie könne zu möglichen Vereinbarungen keine Aussagen machen. "Wir sind noch nicht offiziell über ein Ergebnis unterrichtet worden", sagte FIFA-Sprecher Andreas Herren. Anfang kommender Woche wird ein Konkursgericht im Kanton Zug über den Antrag der ISMM-Gruppe entscheiden, den endgültigen Konkurs zu verhindern.

Konkurrenzunternehmen zur Kirch-Gruppe

Der Sprecher der zum Bertelsmann-Konzern gehörenden RTL Group, Markus Payer, machte keine Angabe, ob und in welcher Weise sein Unternehmen an dem Rettungsversuch der ISMM-Gruppe beteiligt ist. Payer bestätigt allerdings Verhandlungen zwischen Bertelsmann und Vivendi, das Sportrechtegeschäft künftig gemeinsam betreiben zu wollen. In einem solchen Fall entstünde ein beachtliches Konkurrenzunternehmen zur Kirch-Gruppe, die im Besitz einer Reihe lukrativer TV-Rechte ist. Vivendi hatte bereits Anfang April einen Übernahmeversuch von ISMM/ISL unternommen. Die Bedingungen einschließlich einer Zahlung von 70 Mill. Schweizer Franken wurden jedoch als unzureichend abgelehnt.

Die Kirch-Gruppe hat für 1,4 Mrd. Schweizer Franken die europäischen Fernsehrechte für die Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006 erhalten. Sollte ISMM/ISL in Konkurs gehen, so hätte Kirch für weitere 1,4 Mrd. Schweizer Franken nach FIFA-Angaben eine Option auf die übrigen TV-Rechte. Da diese Rechte hohe Gewinne versprechen, bestünde kein Zweifel daran, dass Kirch innerhalb einer Frist von einem Monat seine Option wahrnehmen würde. So hat ISL bereits jetzt TV-Rechte allein für die WM 2002 in Höhe von über 1 Mrd. Schweizer Franken verkauft.

Bei Konkurs würden WM-Marketingrechte frei

Bei einem Konkurs von ISMM/ISL würden auch die Marketingrechte an den beiden Weltmeisterschaften in Südkorea/Japan und Deutschland im Wert von rund 800 Mill. Schweizer Franken frei werden. Für diesen Fall will die FIFA eine eigene Vermarktungsagentur gründen. FIFA - Präsident Joseph Blatter hatte am Donnerstag unterstrichen, dass sein Verband und das Geschäft mit den Weltmeisterschaften auf jeden Fall abgesichert seien. Maximalverluste von bis zu 50 Mill. Schweizer Franken für die WM 2002 im Sponsorengeschäft würden durch einen absehbaren Gewinn bei den TV-Rechten mehr als ausgeglichen werden. Völlig unberührt von der Existenzkrise von ISMM/ISL ist die WM 2006 in Deutschland.

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