Letztes Genehmigungsverfahren nur noch Formalie
Voicestream-Chef erwartet Übernahme ohne Verzögerungen

Die Voicestream-Übernahme könnte noch an dem zu niedrigen Telekomkurs scheitern. Voicestream-Chef Stanton ist jedoch optimistisch, dass die T-Aktie das notwendige Niveau von 33 Euro erreichen wird. Ansonsten haben die Voicestream-Aktionäre ein Rücktrittsrecht.

afp/rtr FRANKFURT/WASHINGTON. Nachdem die Deutsche Telekom die wichtigste Hürde bei ihrem Übernahmeversuch in den USA genommen hat, rechnet der Chef des Telekom-Fusionspartners Voicestream, John Stanton, damit, dass die Transaktion ohne weitere Verzögerungen Ende Mai abgeschlossen wird. Stanton sagte am Donnerstag vor Beginn einer gemeinsamen Investoren- Veranstaltung mit Telekom-Chef Ron Sommer in Frankfurt, er erwarte, dass der Kurs der Telekom-Aktien in der vereinbarten Periode vor Abschluss der Übernahme über 33 Euro liegen werde. In den Übernahmeverhandlungen war nach seinen Worten vereinbart worden, dass die Voicestream-Aktionäre ein Rücktrittsrecht haben, sofern der Kurs in einer bestimmten Zeitperiode unter 33 Euro liegen sollte. Die US-Behörde für Telekommunikation (FCC) hatte am Mittwoch das Übernahmevorhaben gebilligt.

Telekom-Chef Ron Sommer sprach am Donnerstag von einem "wichtigen Meilenstein auf dem Weg zum ersten transatlantischen GSM-Mobilfunkanbieter". Der Zusammenschluss bringe "erhebliche Vorteile für die Kunden". Durch die Übernahme von Voicestream mit seinen vier Millionen Kunden erhält die Deutsche Telekom auch die Kontrolle über den US-Mobilfunkanbieter Powertel. Sie zahlt für den Deal nach aktuellem Börsenstand rund 30 Mrd. Euro (58,7 Mrd. DM) in Aktien und bar. Die Fusion war in den USA wegen des hohen Staatsanteils der Deutschen Telekom umstritten gewesen.

Die Fusion stehe dem öffentlichen Interesse der USA nicht entgegen, betonte die FCC. Sie nutze vielmehr den amerikanischen Verbrauchern, da geplant sei, das Voicestream-Netz national und international auszubauen. Die Deutsche Telekom sei weder bestrebt noch in der Lage, den Wettbewerb auf dem US-Markt zu verzerren, betonte die Aufsichtsbehörde, die ihre Entscheidung länger als erwartet hinausgezögert hatte. Die Anliegen des US-Justizministeriums und der Bundespolizei FBI in punkto nationaler Sicherheit und Rechtsvollzug seien durch eine schriftliche Vereinbarung zwischen den beiden Behörden und dem Konzern abgedeckt.

Deutsche Telekom, Voicestream und Powertel wollen ihren Kunden einheitliche Dienstleistungen auf Basis einer gemeinsamen Plattform anbieten. Dazu gehören unter anderem die Erreichbarkeit unter einer Mobilfunknummer, einheitliche Abrechnung, weltweiter Kundenservice sowie in Zukunft auch den Zugang zum Internet zunächst mit der GPRS-Hochgeschwindigkeitstechnik und dann mit dem UMTS-Mobilfunkstandard der dritten Generation. Nach Telekom-Angaben erreicht das künftige Lizenzgebiet zusammen 430 Millionen potenzielle Kunden in den USA und Europa.

Telekom-Aktienkurs kann noch Probleme bereiten

Vorher muss die Übernahme noch ein weiteres Genehmigungsverfahren in den USA durchlaufen, das aber als Formalie gilt. Die drei Unternehmen lägen "voll im Zeitplan", betonte die Telekom. Allerdings verwiesen Analysten auf ein weiteres mögliches Hindernis: Beim Abschluss des Deals war ein Telekomkurs von 33 Euro (64,50 Mark) als Voraussetzung festgeschrieben worden. Ansonsten haben die Voicestream-Aktionäre ein Rücktrittsrecht. Am Donnerstag lag der Telekom-Kurs lediglich bei knapp 28 Euro und damit gegenüber dem Vortag mit gut 3 % im Minus. Das Sinken des Kurses wurde von Analysten nicht auf die FCC-Entscheidung zurückgeführt. Das grüne Licht sei vielmehr eine gute Nachricht, betonte besipielsweise Arno Wilfert von der Unternehmensberatung Arthr D. Little. Allerdings sei das allgemeine Börsenumfeld schwierig.

Der Kurs der Telekom-Aktie notierte am Donnerstagmittag in einem schwächeren Börsenumfeld mit 28,05 Euro 2,6 % unter ihrem Vortagesschluss.

Möglicherweise spielte auch die juristische Niederlage der Telekom im Kampf um die Vorherrschaft im Ortsnetz vom Mittwochabend eine negative Rolle. Nach zwei Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts in Berlin muss der Ex-Monopolist seinen Konkurrenten Leitungen im Ortsnetz weiterhin zu den bislang üblichen Konditionen anbieten. Die Telekom hatte neben den blanken Leitungen auch Vermittlungstechnik vermieten wollen. Die Konkurrenten sahen darin ihre technischen Möglichkeiten eingeschränkt und befürchteten höhere Preise.

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