Leverkusen kämpft um Bundesliga-Verbleib und das Image: Gute Zeiten, schlechte Zeiten: Bayer AG steht zu Bayer 04

Leverkusen kämpft um Bundesliga-Verbleib und das Image
Gute Zeiten, schlechte Zeiten: Bayer AG steht zu Bayer 04

Der Abschied von Bayer 04 Leverkusen aus dem internationalen Fußball-Geschäft ist auch das Ende des Werbe- Booms für die Bayer AG durch die Werks-Kicker. "Der Werbewert wird wieder auf den einer klassischen Bundesliga-Saison, der auf 80 bis 100 Mill. ? geschätzt wird, zurückfallen", erklärt Meinolf Sprink, Sportbeauftragter des Chemiekonzerns. In der Spielzeit 2001/2002 mit dem Triumphzug bis ins Champions-League-Finale hätte die Bayer AG nach externen Erhebungen rund 200 Mill. ? aufwenden müssen, um den durch die Fußball-Profis geschaffenen Werbeeffekt zu erzielen.

HB/dpa DÜSSELDORF/BARCELONA. "Von dieser Euphorie ist nicht mehr viel geblieben. Es ist ein positiver Trip und eine schöne Fügung gewesen", stellt der frühere Zweitliga-Tischtennisspieler Sprink fest. Fast genau zehn Monate nach dem Endspiel am 15. Mai 2002 in Glasgow gegen Real Madrid (1:2) kämpft Leverkusen nun um den Bundesliga-Verbleib und das Image.

Die Reise zur 100. Europacup-Partie der Clubgeschichte am Dienstag beim FC Barcelona habe deshalb "einen traurigen Beigeschmack". Zumal es der vorletzte Auftritt auf europäischer Bühne - am 19. März fällt der Vorhang in der Champions League mit der Heimpartie gegen Inter Mailand - für mindestens eineinhalb Jahre war. "Seit der Saison 1986/87 ist Bayer 14 Mal in einem Europacup-Wettbewerb gewesen. Das kann nicht immer so sein", sagt Sprink.

Trotz des rasanten Werteverfalls des Profi-Teams steht die Bayer AG fest an der Seite des Clubs. "Wir sind ein verlässlicher Partner. Bei der Sportförderung muss man auch eine gewisse Leidensfähigkeit haben", erklärt Sprink. Dazu gehört in diesen schlechten Zeiten auch, den in die Kritik geratenen Bayer-Manager Reiner Calmund zu stützen. "Ich erliege nicht der Gefahr, in so einer Situation jemanden in die Fresse zu schlagen", sagt Sprink. Vielmehr zollt er ihm große Anerkennung: "Wenn es schlecht läuft, zeigt er Charakter. Er versucht momentan an allen Ecken und Kanten, die Räder zu drehen, 24 Stunden täglich an sieben Tagen."

Die in dieser Saison missglückte Einkaufspolitik - rund 26 Mill. ? wurden in sechs Spieler investiert - leugnet Sprink nicht, kreidet sie aber Calmund nicht an. "Jeder weiß, dass der eine oder andere Spieler nicht explodiert ist, doch man muss die Relation sehen", konstatiert der Bayer-Sportbeauftragte. Immerhin habe man in der Vergangenheit "einen Michael Ballack von der Tribüne in Kaiserslautern" und einen Zé Roberto, "der einst bei Real Madrid" nur Ersatz war, geholt und zu großen Spielern gemacht.

Falsch sei außerdem, dass es Bestrebungen gegeben habe, Calmund auf den vakanten Posten des Sportdirektors zu drängen. "Einen solchen Vorstoß hat es nie gegeben", sagt Sprink. Es werde ein Mann für diesen Job gesucht, der sich jedoch nicht aus der Garde der verdienten älteren Fußball-Experten rekrutieren solle: "Bei der Besetzung der Sportdirektoren-Position sollte man auch an eine mögliche Nachfolgelösung für Calmund denken - ohne damit eine Personaldebatte beginnen zu wollen."

Obwohl Bayer 04 Leverkusen das im vergangenen Jahr mit Genuss- Fußball gewonnene Ansehen durch das derzeit klägliche Gekicke ramponiert und schon viel Kredit verspielt hat, werde der rheinische Club positiver wahrgenommen. "Früher wurden wir als Plastik- und Werksverein angesehen. Jetzt sind wir ein normaler Verein", meint Sprink. Allerdings gehört der viermalige deutsche Vizemeister nicht zum Sport-Adel der Traditionsvereine wie Schalke 04 oder Borussia Dortmund. "Tradition wird über den Titel und über die Meisterschaft definiert. Davon sind wir jetzt wieder ganz weit entfernt."

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