Leverkusen-Manager im Zeugenstand
Calmund soll zur Daum-Haarprobe aussagen

Der Manager des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen, Reiner Calmund, hätte sich wohl nicht träumen lassen, einmal wegen einer Haarsträhne zum Koblenzer Landgericht reisen zu müssen.

dpa KOBLENZ. Am Dienstag ist es soweit. Am 20. Verhandlungstag im Drogenprozess-Marathon gegen den ehemaligen Leverkusener Trainer Christoph Daum (48) soll Calmund über dessen spektakuläre Haarprobe aussagen. Bei ihrer Untersuchung soll der Kölner Rechtsmediziner Herbert Käferstein im Oktober 2000 eine immens hohe Kokain-Konzentration ermittelt haben.

Käferstein und Daums Leverkusener Notar Dieter Janke sind ebenfalls am Dienstag als Zeugen geladen. Nach Gerüchten über eine mögliche Vertauschung der Haarprobe wollen die Richter versuchen, den Weg der Probe von der Schere bis zum Kölner Institut für Rechtsmedizin nachzuzeichnen. Janke soll an der Entnahme und Calmund am Transport der Haarsträhne beteiligt gewesen sein.

Der Beobachter des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) in dem Verfahren, Heinz Fink, sagt: "Der 5. März könnte ein bedeutender Prozesstag sein." Er habe gehört, dass Calmund "glänzend vorbereitet" sei. Käferstein hingegen sei zumindest bis zum letzten Verhandlungstag (26. Februar) von Daum noch nicht von der Schweigepflicht entbunden worden. Der pensionierte Oberstaatsanwalt Fink, der stellvertretender Vorsitzender des DFB-Kontrollausschusses ist, ergänzt, seines Wissens habe der Rechtsmediziner "bundesweit einen sehr guten Namen".

Der Fast-Bundestrainer Daum, der heute den türkischen Spitzenclub Besiktas Istanbul trainiert und jede Woche nach Koblenz reisen muss, hatte gegen Käferstein Zivilklage beim Landgericht Köln eingereicht. Dem Professor sollte die Behauptung untersagt werden, dass der Coach der untersuchten Haarprobe zufolge stark kokainabhängig gewesen sei. Das Verfahren läuft noch.

Laut Daums Verteidigung hatte der Coach im Herbst 2000 Käfersteins Haarprobe-Ergebnis nicht glauben können und eine Woche später von dessen Institut auch noch sein Schamhaar untersuchen lassen. Dabei sei ein niedriger Wert herausgekommen. Gutachter in München und Bonn zogen daraufhin das Resultat der ersten Untersuchung in Zweifel.

Zu dem erwarteten "Gutachterkrieg" vor dem Koblenzer Landgericht ist es während des bereits im Oktober 2001 begonnenen Verfahrens noch nicht gekommen. Auch für Dienstag kündigte die Kammer an, Käferstein außer zum Transport der Kopfhaar-Probe noch keine Fragen zu stellen.

Der Prozess ist längst ins Stocken geraten. Der erste Zeitplan endete am 26. Februar nach 19 Verhandlungstagen. Nun sind 16 neue Sitzungstage bis zum 4. Juni terminiert. Die bisher im Gerichtssaal gehörten Zeugen belasteten Daum nur indirekt. Sein mitangeklagter mutmaßlicher Dealer (40) habe den Zeugen von Kokain-Lieferungen an den Coach berichtet, hieß es wiederholt. Zudem bestritt kürzlich der dritte Angeklagte, ein 55-jähriger Gastronom, den versuchten Erwerb von 100 Gramm Kokain für Daum.

Am vergangenen Dienstag kam es immerhin zu einem vertraulichen Gespräch zwischen Richtern, Anklägern und Verteidigern. Daums Anwälte wollten offensichtlich eine Geldstrafe von bis zu 90 Tagessätzen akzeptieren. Damit gälte der Coach noch nicht als vorbestraft. Die Staatsanwälte sollen hingegen auf 180 bis 270 Tagessätzen beharrt haben. Eine Einigung gab es noch nicht. Dieser Gesprächsfaden hinter den Kulissen soll jedoch weiter gesponnen werden.

Die Anklage wirft Daum den illegalen Erwerb von je 3 bis 5 Gramm Kokain in 63 Fällen sowie die Anstiftung zur Beschaffung von gleich 100 Gramm der Droge vor.

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