Leverkusener weisen Vorwurf illegaler Absprache zurück
US-Verbraucherorganisationen klagen gegen Bayer

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer gerät wegen der hohen Preise für sein Milzbrandmedikament Cipro in den USA immer mehr unter Druck.

dpa-afx/ap NEW YORK. 14 US-Verbraucherorganisationen reichten am Donnerstag eine Klage gegen ein Abkommen des Bayer-Konzerns mit drei Generikaherstellern ein, dass ihrer Ansicht nach billigere Versionen des Milzbrandmedikaments Cipro verhindert.

Bayer verteidigte unterdessen sein Patent auf das Medikament und weist Vorwurf illegaler Absprachen bei Ciprobay zurück. Das US-Patent für Ciprobay sei in den vergangenen Jahren von Herstellern so genannter Nachahmer-Produkte angefochten worden, teilte die Bayer AG am Freitag in Leverkusen mit.

Die Verbraucherschutzorganisationen wehren sich gegen eine Vereinbarung von Bayer mit den USA Generika-Herstellern Barr Laboratories, Ruby und Hoechst-Marion-Roussel. Die Firmen hatten bereits vor Jahren eine billigere Version des Bayer-Antibiotikums auf den Markt bringen wollen, dann jedoch in einem außergerichtlichen Vergleich mit Bayer ihre Pläne fallen gelassen. Bayer zahlte ihnen im Gegenzug 200 Millionen Dollar. Barr verteidigte das schon einige Jahre zurückliegende Abkommen. Ein Prozess gegen Bayer wäre vermutlich verloren gegangen. Die Vereinbarung müsse für illegal erklärt werden, verlangten die Verbraucherschützer. "Es herrscht ein öffentlicher Notstand", sagte ein Sprecher der Anwälte. Bayer dürfe deshalb nicht erlaubt werden, weiter billige Medikamente zu verhindern.

Bayer-Sprecher Michael Diehl wehrte sich entschieden gegen die "unhaltbaren Vorwürfe". "Wir besitzen in den USA das Patent, das den Wirkstoff von Cipro schützt und sind berechtigt das Schutzrecht bis Ablauf Dezember 2003 gegen jeden durchzusetzen der in USA generische Formen von Cipro vermarkten möchte." Dies sei dem Unternehmen auch vom US-Patentamt und mehreren Gerichten bestätigt worden. Wo versucht werde, das Patent anzugreifen, werde Bayer sich heftig zur Wehr setzten.

Die Bayer AG betrachtet die Klagen von Verbraucher- und Rechtsgruppen im Zusammenhang mit dem Antibiotikum Cipro denn auch als chancenlos. Ein Sprecher des Unternehmens sagte am Freitag, insgesamt seien seit 1997 rund 40 Wettbewerbs- und Patentklagen wegen Cipro erhoben worden. "Die bisher abgeschlossenen haben wir alle gewonnen", sagte der Sprecher.

Senator fordert Preissenkungen auch für Normalverbraucher

Bayer hatte sich allerdings am Mittwoch dem Druck der US-Regierung gebeugt und die Preise für Cipro-Lieferungen an die Regierung drastisch gesenkt. Für die nächste Lieferung von über 100 Millionen Tabletten des Antibiotikums wird das US-Gesundheitsministerium pro Stück statt bisher 1,77 US-Dollar (3,88 DM) nur noch 95 Cent zahlen. Bei weiteren Lieferungen soll der Preis schrittweise sogar auf 75 Cent sinken. Vor der Einigung Mittwochnacht hatte die US-Regierung gedroht, den Patentschutz für Cipro auszusetzen, falls es nicht zu einer Einigung komme.

"Bayer fühlt sich verpflichtet, Amerika in seinem Kampf gegen den Bioterrorismus zu unterstützen", sagte Helge Wehmeier, Leiter der Bayer Corporation Inc., Pittsburgh. Durch das Abkommen über die Lieferung von bis zu 300 Millionen Cipro-Tabletten erhalte die Regierung einen hinreichend großen Vorrat des Antibiotikums, um die Bevölkerung vor den Auswirkungen eines Milzbrandanschlages zu schützen.

Die Einigung hat aber keine Auswirkung auf die Preise für Privatverbraucher. In US-Apotheken kosten Cipro-Tabletten vier bis fünf Dollar. Der demokratische Senator Charles Schumer rief Bayer auf, auch für die Verbraucher die Preise zu senken.

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