Leverkusens Lucio hatte richtigen Riecher
Das Zittern der Fälscher

Die Römer sind Meister im Verdrängen. Da steckt der italienische Fußballklub AS Rom in handfesten finanziellen Schwierigkeiten, doch Präsident Franco Sensi buhlt um den deutschen Nationalstürmer Miroslav Klose aus Kaiserslautern. Wenige Tage vor dem Saisonstart ist der italienische Fußball um einen Skandal reicher. Kreative Buchführung, Urkundenfälschung, unachtsame Bilanzprüfer?

ROM. Der AS Rom und der SSC Neapel haben sich durch die Vorlage von gefälschten Bürgschaften der Finanzgesellschaft SBC die Lizenz für die neue Saison erschlichen. Jetzt ermitteln der italienische Fußballverband, die römische Staatsanwaltschaft und auch die Mailänder Börsenaufsicht. Denn der AS Rom ist an der Börse notiert.

Die Unterschrift auf den Bürgschaften stammt von einer gewissen Cynthia Ruia, der Geschäftsführerin der Finanzgesellschaft. Diese aber hatte schon am 18. April, Wochen vor Beantragung der Bürgschaften, ihren Rücktritt erklärt. Ihre Unterschrift erwies sich als miserable Fälschung. Auch andere Fußballklubs wie Genua und Drittligist Spal, aber auch der Basketballklub Virtus Bologna legten gefälschte Bürgschaften derselben Finanzgesellschaft vor. Die Basketballer aus Bologna wurden wegen finanzieller Probleme aus der ersten Liga ausgeschlossen. Sollte sich in den Fällen Rom und Neapel eine Mitwisserschaft der Klubs herausstellen, droht auch ihnen der Zwangsabstieg. Die angeblich von SBC gewährten Bürgschaften haben ein Gesamtvolumen von 30 Millionen Euro. Eine bemerkenswerte Summe, verfügt doch die Gesellschaft über ein Stammkapital von lediglich 500 000 Euro.

Bayer Leverkusens Brasilianer Lucio muss wohl über die Finanzmisere des AS Rom im Bilde gewesen sein, als er im Juli die lukrative Offerte für einen Wechsel in die Serie A ablehnte. Seit April haben Romas Spieler keine Bezüge mehr erhalten; außerdem müssen die Spieler in der nächsten Saison eine Gehaltskürzung von rund 20 Prozent hinnehmen. Der Schuldenstand des AS Rom beläuft sich mittlerweile auf 82 Millionen Euro. Deshalb hatte die Finanzprüfungskommission des italienischen Verbandes zunächst die Lizenz für die kommende Saison verweigert. Doch im letzten Moment zauberte der Klub dann die von SBC gezeichnete Bürgschaft über 7,5 Millionen Euro hervor.

Auch Zweitligist SSC Neapel hatte zunächst keine Lizenz erhalten. Eine Bürgschaft in Höhe von sieben Millionen Euro der gleichen ominösen Finanzgesellschaft schaffte auch hier Abhilfe. Der Klub, der in den Achtzigerjahren mit Diego Maradona seine größten Triumphe feierte, entkam in der vorigen Saison knapp dem Abstieg in die Drittklassigkeit. Sein tatsächlicher Schuldenberg gehört zu den wohl strengstens gehüteten Geheimnissen am Vesuv. Die Bürgschaften von Rom und Neapel hätten nun kreditwürdigere Institute übernommen, ließen die Vereine verlauten. Dies geschah allerdings erst nach der vom Verband gesetzten Frist. Eine ähnliche Konstellation war zuletzt dem AC Florenz zum Verhängnis geworden. Der Verein hatte gefälschte Bürgschaften einer südamerikanischen Bank vorgelegt. Als der Schwindel aufflog, musste der Klub Konkurs anmelden und erhielt keine Lizenz für den Profifußball.

So weit soll es für Neapel und Rom nach dem Willen von Franco Carraro nicht kommen. Der Verbandspräsident verkündete bereits öffentlich, beide Klubs hätten keine Sanktionen zu befürchten, weil sie Opfer eines Betrugs seien. Doch auch Carraro steht in der Kritik, seine Zukunft als Verbandspräsident wird maßgeblich vom Krisenmanagement dieses Skandals abhängen. Die Vertreter der Nationalen Allianz in der Regierung verlangen seinen Rücktritt, weil er den Verband angeblich in einen Chaosverein verwandelt habe. Carraros schärfster Kritiker ist der Patron des sizilianischen Klubs Catania, der in die dritte Liga abgestiegen ist. Luciano Gaucci verlangt per Gericht Neapels Zwangsabstieg und Catanias Wiederaufstieg.

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