Levitra konkurriert in den USA mit Pfizer-Produkt Viagra
Bayer wirbt im Football-Stadion für mehr Stehvermögen

Die Potenzpille Viagra des Pharmakonzerns Pfizer hat fünf Jahre nach Markteinführung in den USA erstmals einen Rivalen bekommen: Seit vergangener Woche buhlt der deutsche Pharmakonzern Bayer mit Levitra um die Gunst der Liebhaber.

NEW YORK. Noch sieht Marktführer Pfizer den Wettbewerb gelassen. Experten erwarten dagegen, dass Pfizer Marktanteile verliert, da noch ein weiterer Rivale kommen wird: Die Wochenendpille Cialis.

Von den rund 30 Millionen Amerikanern, die unter so genannter erektiler Dysfunktion leiden, nimmt nur jeder Zehnte das führende Potenzmittel. "Viagra ist ein großartiges Medikament, aber es ist höchste Zeit für eine Alternative", sagte Irwin Goldstein, Direktor des Institute of Sexual Medicine an der Boston University. Bisher befürchten viele Männer durch die Einnahme von Viagra Gesundheitsrisiken. Umfragen zufolge hätten sich 78 % der Männer beim Arzt nach Alternativen erkundigt, sagte Colin Foster, US-Chef von Bayer. Foster führt die Viagra-Unlust darauf zurück, dass die Wirkung der Potenzpille auf sich warten lasse. Levitra dagegen wirke schneller. Während Viagra erst nach einer Stunde Erfolg verspräche, schlage die neue Potenzpille bereits nach 16 Minuten an.

Das Geschäft mit der Potenz wächst, Analysten schätzen das Marktvolumen auf mehrere Milliarden Dollar. Pfizer hat Dank seiner bisherigen Monopolstellung im vergangenen Jahr allein 1,7 Mrd. $ umgesetzt. Nach Einschätzungen von Analysten werden die USA auch für Levitra zum wichtigsten Markt: 60 % des Umsatzes könnten dort eingespielt werden. Einziges Problem: Das Desaster mit dem Cholesterinsenker Lipobay hat Bayers Ansehen in Amerika stark angekratzt.

Viagra selber dürfte von der Konkurrenz profitieren. Durch die Einführung des neuen Produkts in Europa wurden mehr Patienten auf Potenzmittel aufmerksam, der Markt hat sich also sogar vergrößert. Für Pfizer scheint Levitra also vorerst keine bittere Pille zu sein. "Für uns ist das keine wirkliche Konkurrenz", sagt ein Pfizer-Sprecher. "Natürlich haben die Patienten jetzt die Wahl, aber das neue Produkt hat Viagra nichts voraus. Wir bleiben der Goldstandard." Deshalb wolle Pfizer auch seine Marketing-Strategien beibehalten. Allein die Pharma-Berater werde der Konzern in Zukunft besser schulen, damit Ärzte weiterhin Viagra verschreiben.

Da es bisher keine Studie gibt, die die Wirksamkeit von Viagra und Levitra vergleicht, zählt vor allem das Image. Bayer hat bereits eine große Marketingkampagne angekündigt. Der Pharmariese sponsort die National Football League und will so 120 Mill. Fans im Stadion erreichen. Der Kampf um den Potenz-Markt wird also nicht nur im Labor, sondern auch im Stadion ausgetragen.

Als Pfizer das Thema Impotenz erstmals öffentlich machte, warb der Konzern noch mit Politikern wie Bob Dole. "Der ehemalige Präsidentschaftskandidat würde heute kaum die richtigen Zielgruppe ansprechen", sagte Louis Villalda vom Pharmaunternehmen Vivus. Denn nach der Liebespille greifen zunehmend auch Männer zwischen Ende Dreißig bis Mitte Vierzig.

Ernst zu nehmende Konkurrenz für Pfizer kommt vor allem aus den USA. Derzeit warten die Pharmaunternehmen Icos und Eli Lilly noch auf die Zulassung von Cialis, der so genannten "Wochenend"-Pille. Der Vorteil von Cialis: Während Viagra und Levitra nur bis zu fünf Stunden wirken, ist bis zu 36 Stunden nach der Einnahme von Cialis noch eine Erektion möglich. Mit der Markteinführung vor fünf Monaten in Europa waren Icos und Eli Lilly einige Wochen früher am Start als Bayer und sicherten sich rund ein Drittel des Marktes. Der erfolgreiche Start lässt Experten zufolge weitere Erfolge erwarten: Wenn die Konkurrenz mehr Stehvermögen beweist, hilft Viagra auch der Markenname nichts.

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