Liberale
Kommentar: Westerwelle vor dem Showdown

Nun muss Guido Westerwelle ihn also doch ausfechten, den offenen Kampf mit dem eigenwilligen Landesfürsten Jürgen Möllemann.

DÜSSELDORF. Am Abend des 7. Oktober kommt es zum Showdown: Dann muss der Parteichef die nordrhein-westfälischen Liberalen auf seine Seite ziehen und seinen Kandidaten, den Wirtschaftsprofessor Andreas Pinkwart, gegen den charismatischen Fallschirmspringer durchboxen.

Das Risiko ist hoch, denn Möllemann hat gute Truppen und wird erbittert kämpfen. Doch auch für Westerwelle geht es um die politische Existenz - vertreibt er den mächtigen Regionalfürsten nicht aus seiner Burg, kommt sein eigener Stuhl ins Wackeln. Noch steht die Führungsspitze offiziell hinter ihm, stärkt ihm den Rücken gegen den Düsseldorfer. Doch unterliegt er, kann er auch die überfällige Abrechnung nach dem blamablen Wahlergebnis nicht mehr vermeiden.

Dann werden sie auch öffentlich abrechnen, ihm erklären, dass Möllemann eben nur einen Teil der Schuld am tristen Wahlergebnis trägt. Sie werden ihre Deckung verlassen und ihm all das ankreiden, was sie selbst mit beschlossen haben: die fehlende Koalitionsaussage, das Projekt 18, die alberne Kanzlerkandidatur. Und sie werden ihm die Fehler des Endspurts vorhalten, die falsche Reaktion auf die Flut und die Irak-Krise.

Das könnte den Niedergang des Guido Westerwelle einleiten. Noch ist zwar weit und breit kein Kandidat in Sicht, der eine ernst zu nehmende Alternative zu Westerwelle bietet. Neben dem jungen Vorsitzenden spielen derzeit nur die Altgedienten eine Rolle, unter den Jüngeren ragt keiner so weit heraus, dass er an Westerwelle herankommt. Doch spätestens wenn auch die Landtagswahlen in Niedersachsen und Hessen im Februar nur magere Ergebnisse für die FDP bringen, wird die Partei aktiv beginnen, nach einer Alternative zu Westerwelle zu suchen.

Quelle: Handelsblatt

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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