Liberalisierung der Rechtslage stützt Trend zur Arbeitsteilung unter den Kapitalanlagegesellschaften
Nicht mehr alles aus einer Hand

Konzentration auf die Kernkompetenz ist bei Fondsfirmen das Gebot der Stunde. Mittelgroße Gesellschaften könnten in Zugzwang geraten, meinen Berater.

FRANKFURT/M. Die Lage bei den Investmentgesellschaften spitzt sich zu: schlecht laufende Börsen, steigende Kosten und ein verschärfter Wettbewerb belasten. Kein Wunder, wenn Unternehmensberater einen Trend zur Arbeitsteilung beobachten. Dieser Trend erhält zusätzlichen Schub durch ein Rundschreiben des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen (BAKred) vom November vergangenen Jahres, das die Auslagerung von Geschäftssparten grundsätzlich erlaubt. Es geht insbesondere um die Bereiche Fondsbuchhaltung und-administration sowie das eigentliche Fondsmanagement.

"Wenn eine andere Gesellschaft diese Dinge besser und vielleicht billiger macht, ist die Auslagerung absolut attraktiv", sagt Peter Engel, Partner bei KPMG Consulting und spezialisiert auf Asset-Management-Fragen. Seiner Meinung nach sind insbesondere die mittelgroßen Gesellschaften ohne Einbindung in einen großen deutschen Konzern gezwungen, sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren. Die restlichen Bereiche sollten sie auslagern. Die "Mittelgroßen" rangieren in seiner Vorstellung auf den Plätzen sieben bis 15, gemessen am verwalteten Wertpapier-Publikumsfondsvermögen.

Engel hat eine visionäre Kostensparidee: "Warum nicht die Gehälter der Top-Leute, die letztendlich für den Erfolg verantwortlich sind, deutlich erhöhen und die vielen anderen und vielleicht heute zu hoch bezahlten Fondsmanager mit anderen Aufgaben beschäftigen?" Das Management beispielsweise von Vermögensklassen, für die diese "Genies" keine Expertise besitzen würden, könne man mittelfristig outsourcen. Das sei sogar für traditionelle Kernbereiche wie europäische Aktien oder Euro-Anleihen denkbar.

"Qualität und Erfolg nicht von der Größe abhängig"

So weit wie Engels Ideen gehen aber die Outsourcing-Überlegungen der Fondsbranche derzeit noch nicht. "Ein starkes Outsourcing wie in diesem Beispiel gefährdet die Glaubwürdigkeit und das Image der Investmentgesellschaft, gerade bei den Publikumsfonds", sagt Stefan Seip, Hauptgeschäftsführer des Fondsverbandes BVI. Christian Schlenger, Geschäftsführer der Consultingfirma Alpha Portfolio Advisors: "Wer so weit geht, verliert seine Daseinsberechtigung als Asset Manager." Seiner Meinung dürften eher spezielle Bereiche wie Emerging-Markets-Aktien, japanische Aktien oder US-Anleihen ausgelagert werden. Manche Experten bezweifeln auch, ob die Überlebensfähigkeit der Firmen überhaupt von ihrer Größe abhängt - obwohl man die Notwendigkeit zur Konzentration auf die eigenen Stärken erkennt. So sagt Karl Stäcker, Geschäftsführer der achtgrößten und zur BHF-Bank gehörigen Fondsgesellschaft Frankfurt-Trust (ING-Konzern): "Qualität und Erfolg im Asset Management ist nicht von der Größe abhängig." Davon ist auch Norbert Enste überzeugt. "Ich glaube, man kann in jeder Betriebsgröße leben", erklärt der Partner des Bankhauses Metzler, das mit Metzler Invest stark auf Spezialfonds für institutionelle Kunden ausgerichtet ist.

Allerdings registriert Stäcker den Branchentrend, nicht mehr grundsätzlich alle Leistungen aus einer Hand anzubieten. Manche Investmentgesellschaften könnten sich auf Fondsbuchhaltung konzentrieren, andere auf Depotkundenadministration und zu diesem Zweck Abwicklungsplattformen etablieren. Im Asset Management würden nur noch die "Großen" alle Leistungen im eigenen Haus erbringen, kleinere Gesellschaften Expertise von außen einkaufen.

Darüber hinaus ist umstritten, inwieweit das veränderte rechtliche Umfeld Auswirkungen auf die Investmentgesellschaften haben wird, da sich die Geschäftspraktiken bereits stark an das angenähert haben, was (offiziell) erst jetzt erlaubt ist. So sagt Volckmar Bartels, Leiter der Abteilung Investmentaufsicht beim Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen: "Konkrete Wünsche zur Auslagerung des Managements und der Buchhaltung wurden schon bisher wohlwollend geprüft und toleriert."

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