Liberalisierung hilft der Fondsbranche beim Kosten sparen
Investmentgesellschaften schwören auf Arbeitsteilung

Die anstehende Reform des Europäischen Investmentrechts wird die Fondsbranche in Deutschland verändern. Darin waren sich die Gesprächsteilnehmer der Handelsblatt-Diskussionsrunde einig.

HB Frankfurt/M. Ihrer Meinung nach wird die Erlaubnis, das Fondsmanagement auszulagern (nach deutschem Recht bereits seit Ende vergangenen Jahres möglich), den Trend zur Arbeitsteilung bei den Kapitalanlagegesellschaften forcieren. Außerdem dürfte die Auslagerungsmöglichkeit der Fondsbuchhaltung (in Deutschland schon oft Praxis) zu einer starken Konzentration in diesem Bereich führen. Kleinere Fondsfirmen und europaweit agierende Gesellschaften könnten ihre Wettbewerbschancen verbessern. Welcher Fondsstandortwahl dabei Gewinner sein wird, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Rainer Krütten von der Activest in Luxemburg zu den Folgen der neuen Outsourcing-Freiheiten: "Es kann Investmentgesellschaften geben, die sich auf das Asset Management konzentrieren und die Fondsbuchhaltung komplett auslagern, auf der anderen Seite Firmen, die als reine Abwicklungsplattformen ausschließlich diese Fondsbuchhaltung und-administration betreiben - für die eigene Gesellschaft und für andere." Gerade das "Back Office" biete große Kostensparpotenziale.

Auch in der Vermögensverwaltung dürften Krütten zufolge die Outsourcing-Chancen genutzt werden. "Viele werden beispielsweise den Bereich europäische Aktien selbst managen, aber das Management für spezielle Segmente, in denen ihnen die Expertise fehlt, beispielsweise Schwellenbörsen, an Spezialisten auslagern", glaubt er.

Volckmar Bartels vom BAKred registriert einen Trend: "Bei den Investmentgesellschaften der großen Banken glaube ich erkennen zu können, dass sie sich auf ihr Kerngeschäft Asset Management konzentrieren werden; es denken mehrere über die Zusammenlegung der Publikums- und Spezialfondsbereiche mit der Vermögensverwaltungssparte nach." Er sieht vor allem kleinere Gesellschaften gestärkt. "Die können das kostspielige Fondsmanagement auslagern und damit besser ins Geschäft kommen", so die Vermutung.

Wolfgang Mansfeld von Union Fonds Holding rechnet mit einem offeneren Wettbewerb unter den Fondsauflagestandorten: "Gerade jene Gesellschaften, die Produkte in mehreren Ländern anbieten wollen, wählen Luxemburg oder Irland als Fondsdomizile, weil dort beispielsweise die Anlagerichtlinien etwas freier sind und sie die Zulassung schneller bekommen." Die neue Richtlinie werde höhere Anforderungen an diese Fondsanbieter stellen, sie lässt z. B. keine Ausübung der Depotbankfunktion durch die Fondsgesellschaft mehr zu. "In Deutschland dagegen wird das Umfeld durch die Outsourcingmöglichkeit etwas liberaler."

Ob die neue Richtlinie aber die Verlagerung von Fondsstandorten zur Folge haben wird, darüber sind sich die Experten uneins. Thomas Paul von der Anwaltssozietät Hengeler Mueller: "Die höheren Anforderungen halten sich in Grenzen; alle unseren ausländischen Mandanten sind in Luxemburg oder Irland, und bei denen gibt es keine Verlagerungsideen beispielsweise nach Deutschland." Carsten Majer von Invesco: "Wir bieten in Deutschland sowohl Produkte unserer hiesigen Kapitalanlagegesellschaft, als auch andere Fonds mit Domizil Luxemburg und Irland an." Seiner Meinung nach werden die erweiterten Produktmöglichkeiten und die Erlaubnis zum grenzüberschreitenden Verkauf vor allem den europaweit agierenden Investmentgesellschaften nutzen. "Die können die Zahl ihrer Fondsstandorte verringern und auf diesem Wege enorme Kosten sparen", glaubt er.

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