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Liberty Media und TV-Sender bleiben bei Technik-Diskussion hart

In der Diskussion um die Technologie für die digitalen TV-Kabelnetze des neuen Betreibers Liberty Media bleiben der US-Konzern und die deutschen Fernsehveranstalter hart. Liberty Media sei nicht bereit, Mehrkosten zu tragen, die durch den Technologie-Standard MHP entstünden, sagte ein Unternehmenssprecher am Montag der Nachrichtenagentur Reuters.

Reuters HAMBURG. Fernsehsender, Netzbetreiber, TV-Gerätehersteller hatten sich im September auf die Multimedia Home Platform (MHP) als Standard für das digitale Fernsehen in Deutschland geeinigt. RTL lehnte eine Finanzierung von Kabelfernseh-Decodern ab, die Liberty Media einem Zeitungsbericht zufolge von den Fernsehveranstaltern für den Einsatz von MHP gefordert hat.

"Es ist nicht Aufgabe der Fernsehveranstalter, die Investitionen der Kabelnetzbetreiber zu übernehmen", sagte eine RTL-Sprecherin. Die Präsidentin von Liberty Media International, Miranda Curtis, hatte der "Süddeutschen Zeitung" zufolge von den Fernsehveranstaltern eine finanzielle Beteiligung verlangt, wenn MHP in den Kabelnetzen von Liberty Media eingesetzt werden soll. "Wir können nicht auch noch MHP finanzieren, das gibt unser Geschäftsplan nicht her", sagte Curtis der "SZ" vom Montag zufolge. "Wenn die Sender bereit sind, MHP mit 60 bis 80 Euro pro Box (Decoder) zu bezahlen, dann ist das okay, dann nehmen wir sofort MHP."

Eine Beteiligung der Fernsehveranstalter an den Kosten für MHP-Decoder stehe nicht zur Diskussion, sagte ein ZDF-Sprecher. Schließlich gebe es eine Einigung auf diesen Standard, der allen Veranstaltern einen offenen Zugang zum Kabel ermöglicht. Ein proprietäres, also geschlossenes Netz sei deshalb eine ordnungspolitische Frage.

Die Übernahme der Kabelnetz-Gesellschaften durch Liberty Media muss noch vom Bundeskartellamt genehmigt werden. Liberty hatte im September für 5,5 Mrd. Euro sechs regionale Kabelnetze der Deutschen Telekom übernommen und will sie eigenen Angaben zufolge für bis zu zusätzlich 750 Mill. Euro jährlich modernisieren. So sollten zunächst zehn Mill. Kunden eine Vielzahl digitaler Programme, Bezahlfernsehen, E-Mail und Internet-Zugang über den Fernsehanschluss angeboten werden. Die dafür notwendigen Decoder, die so genannten Set-Top-Boxen, wolle Liberty Media den Verbrauchern kostenlos anbieten.

Die Multimedia Home Platform ist eine Schnittstelle für die bisher vertretenen Systeme, um Digital-TV von verschiedenen Anbietern über diverse Kanäle auf unterschiedliche Geräte verbreiten zu können. Die Decoder werden nach Ansicht der MHP-Befürworter bei größerer Verbreitung deutlich sinken. In Kreisen deutscher Fernsehveranstalter hieß es, die angeblich hohen Kosten seien eher ein vorgeschobenes Argument des US-Konzerns. Vielmehr wolle Liberty ein geschlossenes System einführen und so den Zugang zu den Netzen kontrollieren.

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