Liberty setzt Berlin unter Druck
Kommentar: Die Telekom braucht einen neuen Käufer

Die EU-Kartellbehörden, darunter besonders das deutsche Bundeskartellamt, genießen weltweit den Ruf, ihre Fusionskontrollverfahren transparent und fair zu gestalten. Auch US-Unternehmen loben dies immer wieder. Nur dem US-Medienkonzern Liberty Media und seinem Präsidenten John Malone reicht das offenbar nicht. Anstatt wie jeder andere Investor die Kartellwächter zu überzeugen, dass seine Strategie für das deutsche Kabelnetz nach dem Kauf von der Telekom den Wettbewerb nicht einschränkt, versucht Malone es von vorneherein hintenherum über die Politik.

Schließlich kann er sich stark fühlen: Die Telekom braucht seine Milliarden, um ihren Schuldenabbauplan umzusetzen. Der Bundesregierung als Telekom-Großaktionär kann es ebenfalls nicht recht sein, wenn die T-Aktie bei einem Scheitern des Verkaufs im Kurs weiter verfällt; es lässt sich also prima mit dem Rückzug aus dem 5-Milliarden-Deal drohen. Warum also, so scheint man in Denver zu denken, den langen Weg nach gültigen Gesetzen gehen, wenn man ihn per Erpressung abkürzen kann?

Es gibt jedoch einige Gründe, die eigentlich auch bei Liberty gegen dieses Vorgehen sprechen müssten. Das Unternehmen will hier zu Lande Geschäfte machen. Normalerweise funktioniert dies am besten, wenn alle Beteiligten etwas davon haben. Liberty jedoch vergrätzt seine potenziellen Partner gleich reihenweise. Die Fernsehveranstalter fürchten Libertys Macht als Filmproduzent. Die kleineren Kabelnetzbetreiber, auf deren Netze Liberty zur Durchleitung seiner Programme genauso angewiesen ist wie umgekehrt die Kleinanbieter auf das Liberty/Telekom-Netz, wenden sich schon jetzt gegen Malone.

Es stellt sich auch die Frage, wie lange die Telekom die Verzögerungen Malones noch ertragen will. Wenn sie selbst den Deal platzen ließe, würde das zwar den Kurs kurzfristig belasten. Sie wäre aber wieder frei, zu handeln und einen anderen Käufer zu finden. Dafür sollte ihr der Großaktionär Bund Rückendeckung geben.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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