Liberty und Callahan beherrschen den Markt für Kabelnetze
Das TV-Kabel wird neu aufgerollt

Nach dem Verkauf des Telekom-Kabels an US-Investoren fürchten TV-Sender um ihren Platz.

Das Kabelfernsehgeschäft in Deutschland steht nach dem Verkauf des Telekom-Kabelnetzes an US-Investoren vor der Neuordnung. Während kleinere Kabelnetzbetreiber darauf hoffen, ihre Netze nun ebenfalls teuer verkaufen zu können, herrscht bei kleineren Fernsehsendern Angst: Sie fürchten, mit ihren werbefinanzierten Programmen im demnächst größeren Angebot unterzugehen. Auch Verbraucherschützer erwarten nichts Gutes: Müssen die Investoren nicht die Preise heraufsetzen, um ihre Investitionen wieder einzuspielen? Wird Fernsehen also teurer?

Die Reaktionen zeigen: Es wird nicht einfach für die neuen Herren des Kabels. Wenn die Verkäufe der Telekom nach den Kartellverfahren im Herbst abgeschlossen sein werden, teilen sich Liberty Media und Callahan den deutschen Kabelmarkt zu annähernd gleichen Teilen. Der dritte Käufer, der britische Kabelnetzbetreiber NTL, kommt mit dem Hessen-Kabel auf einen Marktanteil von sieben Prozent und spielt damit nur eine Nebenrolle.

Die wohl schwierigste Aufgabe der neuen Eigentümer wird es sein, mit ihren Kabeln wirklich bis zum Kunden zu kommen. Denn das Telekom-Kabel endet zumeist an der Grundstücksgrenze. Die Hausverteilanlagen werden von kleinen Kabel- oder Wohnungsbaugesellschaften betrieben. Diese Situation gibt es nur in Deutschland: Als Anfang der 80er-Jahre die Bundesregierung den Bau von Kabelnetzen beschloss, gestand sie den Antennenbauern ein Stück vom Kabel zu, weil die Antennen von den Dächern verschwinden würden. Das bedeutet heute etwa für Liberty, dass das Unternehmen von seinen zehn Millionen von der Telekom gekauften Haushalten nur 3,5 Millionen direkt angeschlossen hat; die übrigen bekommen ihre Kabelfernsehrechnung von Unternehmen wie Telecolumbus, Bosch, Primacom, TSS oder diversen Kleinunternehmen. Um die Fernsehübertragung zu digitalisieren und neue Internet-basierte Dienste anbieten zu können, muss das Netz jedoch einheitlich aufgerüstet werden. Liberty und Callahan müssen also mit den kleineren Anbietern kooperieren oder sie aufkaufen. Dabei dürften sie auf Bedenken der Kartellwächter stoßen: Die Zusammenführung der Netzteile auf dem Weg zum Kabel-Duopol erweckt das Misstrauen des Bundeskartellamtes.

Derweil steigen die kleinen Kabelkrauter im Wert: Neben Liberty und Callahan sehen mehrere kommunale Telefongesellschaften das Fernsehkabel als Anschlussmöglichkeit fürs Internet und begeben sich auf Einkaufstour. In Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Rheinland-Pfalz wiederum hat sich die US-niederländische Kabelgesellschaft UPC, die von Liberty kontrolliert wird, die meisten Haushaltsanschlüsse gesichert: Ihr gehören Primacom, TSS und demnächst ein Drittel der Telecolumbus-Haushalte. Experten erwarten, dass der Eigentümer Deutsche Bank die übrigen Telecolumbus-Haushalte je nach Region an Liberty und Callahan verkaufen wird.

Nach der Strukturbereinigung wird es erneut teuer: Etwa 1 000 DM pro Anschluss kostet es, das Kabel zu digitalisieren, einen Rückkanal einzubauen und weite Teile der teilweise maroden Kupferkoaxial-Kabel durch Glasfaser zu ersetzen. Einspielen können solch hohe Investitionen allenfalls teure Pay-TV- Programme, Internet und neue Datendienste.

Dass die heutigen TV-Sender deshalb aus dem Kabel fliegen, ist vor allem bei den bekannten Marken von ARD bis RTL unwahrscheinlich. Abgesehen davon, dass die Medienanstalten ein Wort bei der Programmversorgung mitzureden haben, brauchen die neuen Kabelbesitzer nichts mehr als zufriedene Kunden für ihre neuen Angebote: Niemand hindert heutige Kabelfernseher daran, den Anschluss zu kündigen und eine Satellitenschüssel zu kaufen.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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