Liberty vor Kartellproblemen
Kommentar: TV-Cowboy

Der deutsche Kabelfernsehmarkt steht vor der Neuordnung. Sie ist zugleich die Globalisierung dieses Marktes, weil die Deutsche Telekom ihre Kabelnetze ausschließlich an ausländische Investoren verkauft. 93 Prozent des Kabels gehen an zwei Investoren aus Denver: an eine Gruppe um Richard Callahan und an Liberty Media mit ihrem Gründer John Malone.

Damit endet eine Zeit, in der sich alle am Kabelfernsehgeschäft Beteiligten in Deutschland in ihrer jeweiligen Nische gemütlich einrichten konnten, weil die Telekom keinerlei Ambitionen für den Ausbau dieses ungeliebten Netzes entwickelte.

Viele Befürchtungen, die jetzt von Senderchefs, Direktoren von Landesmedienanstalten und den vielen kleinen Hausverteiler-Kabelnetzbetreibern geäußert werden, haben vor allem mit der Angst vor dem Verlust von Pfründen zu tun. Dabei ist die Veränderung gleichzeitig für alle Beteiligten die Chance, an neuen interaktiven Diensten und multimedialen Fernsehprogrammen Geld zu verdienen. Und nebenbei kann zusätzlich Wettbewerb im Telefon-Ortsnetz entstehen.

Doch die Senderchefs fürchten, dass ihre Programme auf unattraktive Plätze verbannt oder aus dem Kabel geworfen werden, wenn sie den unkalkulierbaren neuen Eigentümern nicht gefallen. Die Direktoren der Landesmedienanstalten wissen, dass ihr Einfluss mit der Digitalisierung schwindet: Den Mangel, den sie heute verwalten, gibt es nicht mehr, wenn zu den heute gut 30 mehrere Hundert neue Kanäle hinzukommen. Und die Kabelnetzbetreiber, die heute am Ende des Telekom-Kabels Hausverteilanlagen betreiben, merken, dass sie entweder investieren oder aus dem Geschäft aussteigen müssen. Sie waren vor 20 Jahren nur ins Geschäft gekommen, weil die damalige Bundesregierung den früheren Antennenbauern ihre Existenz sichern wollte.

Liberty vor Kartellproblemen

Es sind allerdings nicht nur die Sorgen der Besitzstandswahrer, die das Misstrauen gegen den Verkauf der wichtigsten Fernseh-Infrastruktur an den Denver-Clan wachsen lassen. Der Verkauf des Kabelnetzes ersetzt das Monopol der Telekom durch ein Duopol der beiden US-Investoren. Da der Käufer des größten Gebiets, Liberty, ein Medienkonzern ist, lassen sich die Sorgen vor der neuen Fernsehmacht durchaus begründen. Die Wettbewerbsbedingungen verschlechtern sich für Inhalte-Anbieter, die mit Liberty konkurrieren. In vergleichbaren Fällen beharren deshalb die EU-Kartellbehörden stets auf der Trennung von Netz und Inhalten. Liberty wird daher erheblich mehr Schwierigkeiten mit der kartellrechtlichen Genehmigung bekommen als Callahan, der sich in Europa auf den Netzbetrieb beschränkt.

Liberty-Gründer Malone hat zudem schon vor der Vertragsunterzeichnung alle enttäuscht, die auf mehr Ortsnetz-Wettbewerb durch die neuen Kabeleigentümer hofften: Telefondienste und Datenautobahnen ins Internet sind erklärtermaßen nicht sein vorrangiges Ziel.

Liberty bräuchte also starke Fürsprecher, um das wachsende Misstrauen in Deutschland abzubauen. Stattdessen hat es sich Malone mit seinem bisherigen Deutschland und Partner, -Berater Gary Klesch, so gründlich verdorben, dass der ihn verklagt hat. Man könnte dies als den Streit zweier machtversessener Egomanen, als die beide bekannt sind, abtun - wenn sich die Klageschrift nicht wie eine gut belegte Dokumentation ihrer Zusammenarbeit läse. Sie bestätigt so das weit verbreitete Bild von Malone als skrupellosem Geschäftsmann, dem das Wohlergehen seiner Geschäftspartner herzlich egal ist. In Denver mag dies als Stärke durchgehen. Für den Einstieg in einen europäischen Markt ist es jedoch kein Vorteil, als raubeiniger Cowboy zu gelten.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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