Licht am Ende des Tunnels?
US-Verbrauchervertrauen steigt unerwartet auf 83,5 Zähler

Das Vertrauen der amerikanischen Verbraucher in die Wirtschaft des Landes hat sich zur Überraschung von Analysten im November offenbar wegen der Erholung an den Aktienmärkten etwas aufgehellt.

Reuters NEW YORK. Der Vertrauensindex der Universität Michigan sei nach vorläufigen Berechnungen auf 83,5 von 82,7 im Oktober gestiegen, war aus Finanzmarktkreisen am Freitag in New York zu erfahren. Von Reuters befragte Analysten hatten dagegen einen Rückgang auf 78,7 vorhergesagt, zumal der Vertrauensindex des Forschungsinstituts Conference Board im Oktober regelrecht auf den tiefsten Stand seit Februar 1994 eingebrochen war. "Das ist angesichts der erlahmenden Konjunktur und steigender Arbeitslosigkeit überraschend", kommentierte Drew Matus von Lehman Brothers den Anstieg des Stimmungsbarometers. Ursache sei vor allem wohl die Erholung der Aktienmärkte.

Das Verbrauchervertrauen ist für Volkswirte ein wichtiger Vorbote für die Entwicklung des Konsums, der mit zwei Dritteln den Löwenanteil der Wirtschaftsleistung in den USA ausmacht. Die Zuversicht der US-Verbraucher ist bereits seit einem Jahr graduell geschwunden. Der Schock über die Anschläge vom 11. September und die Folgen für die Wirtschaft spiegelten sich im selben Monat in einem starken Rückgang des Michigan-Index wieder. Aber bereits im Oktober war der Indikator, für den rund 500 Telefoninterviews geführt werden, unerwartet gestiegen. Das vom Conference Board ermittelte Stimmungsbarometer hatte dagegen im September den stärksten monatlichen Einbruch seit fast elf Jahren aufgewiesen und war im Oktober erneut stark gesunken. Das Institut befragt mit 5000 allerdings deutlich mehr Konsumenten.

Nach Einschätzung von David Orr von Wachovia Securities geht das etwas verbesserte Urteil der Verbraucher mit einem leichten Anstieg der Einzelhandelsumsätze, Flugbuchungen und Hotelreservierungen einher. "Das hat sich alles wieder etwas gefangen, aber noch nicht auf den Stand von vor den Anschlägen." Während die Analysten unterschiedlicher Ansicht waren, ob sich die bessere Stimmung auch in höheren Konsumausgaben niederschlagen wird, sagte Avery Shenfeld von CIBC World Markets in Toronto: "Ich gebe mehr auf die Arbeitsmarktzahlen als auf Vertrauensumfragen, und die sehen nicht viel versprechend aus."

Die Arbeitslosigkeit in den USA war im September mit 5,4 % auf den höchsten Stand seit fünf Jahren gestiegen, was Analysten als Beleg betrachten, dass die größte Volkswirtschaft der Welt bereits in einer Rezession steckt. In den kommenden Monaten ist nach Einschätzung von Volkswirten deshalb ein Anstieg über sechs Prozent zu erwarten. Die Fed hat in dieser Woche zum zehnten Mal in diesem Jahr die Zinsen kräftig gesenkt. Der Schlüsselzins liegt jetzt mit 2,0 % auf dem niedrigsten Niveau seit 40 Jahren und 4,5 %punkte unter dem höchsten Stand der vorangegangenen Zinserhöhungsrunde.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%