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Licht am Ende des Tunnels

Die dunkelste Stunde ist die vor Sonnenaufgang! In anderen Worten: Je pessimistischer die Analysten, desto größer die Wahrscheinlichkeit unerwartet guter Ergebnisse. Nachdem die Analysten ihre Schätzungen im Vorfeld stark reduziert hatten, konnten sowohl International Paper als auch Caterpillar im abgelaufenen Quartal die Erwartungen des Marktes deutlich übertreffen. Welches Unternehmen die Erwartungen erfüllen konnte und welches nicht, schien die meisten Investoren an diesem Dienstag ohnehin nicht zu interessieren.

So schlossen sowohl die Aktien von Wells Fargo als auch von Johnson&Johnson freundlich, obwohl die Ergebnisse unter den Prognosen lagen. Die Aktien von Black&Decker, die aufgrund schlechter Ergebnisse und trüber Aussichten zum Handelsbeginn rund sieben Prozent eingebüßt hatten, beendeten den Tag unwesentlich freundlicher. Selbst der Hagel negativer Nachrichten im Bereich des Chip-Maschinenbaus konnte letztendlich keinen Schaden anrichten. Novellus Systems hatte sich am Vorabend skeptisch zur Entwicklung der Auftragseingänge in den nächsten zwei Quartalen geäußert. Trotz großer Anfangsverluste drehten die Titel von Applied Materials, KLA-Tencor und auch Novellus Systems am Nachmittag in die Gewinnzone.

Unmittelbar nach Börsenschluss meldete der Chiphersteller Intel ein unerwartet gutes Ergebnis. Mit einem Gewinn von zwölf Cents pro Aktie wurden die Analystenerwartungen für das zweite Quartal um zwei Cents übertroffen. Der Umsatz lag bei 6,3 Milliarden Dollar. Das Management geht davon aus, dass das Umsatzvolumen im dritten Quartal auf 6,2 bis 6,8 Milliarden Dollar steigen wird. Ferner sei im Bereich Flash-Memory-Chips gegen Jahresende mit einer Erholung zu rechnen. Von einer anstehenden Wende im Bereich der Kommunikationstechnologie könne man aber noch nicht sprechen, so die Intel-Unternehmensleitung. Die Aktie legte nachbörslich rund drei Dollar zu.

Wie bereits im Vorfeld vermutet, konnte auch Apple Computer die Schätzungen des Marktes für das abgelaufene Quartal schlagen. Das dritte Quartal endete mit einem Gewinn von 17 Cents pro Aktie. Die Erwartungen der Wall Street wurden damit um zwei Cents übertroffen. Der Umsatz verfehlte dagegen mit 1,475 Milliarden Dollar die durchschnittlichen Schätzungen der Analysten um 125 Millionen Dollar. Das Apple-Papier tendiert nachbörslich schwächer.

Die im Tagesverlauf positive Stimmung der Marktteilnehmer wurde auch durch die an diesem Mittwoch anstehende Rede von Alan Greenspan beeinflusst. Der Chef der US-Notenbank wird morgen um 16:00 Uhr MESZ seinen halbjährlichen Rechenschaftsbericht zur Geldpolitik vorlegen. "Wir gehen nicht davon aus, dass Greenspan die Angst vor dem Ende der Zinssenkungsrunde anfachen wird", meint Volkswirt Wayne Angell vom Investmenthaus Bear Stearns. Die Chancen, dass die Zinsen in den USA im August und Oktober erneut gesenkt werden, stehen aus Sicht des Wirtschaftsexperten weiterhin gut. Auch John Manley, Investmentstratege des Brokerhauses Salomon Smith Barney, sieht noch kein Ende der Zinssenkungsrunde. "Es besteht sogar die Möglichkeit, dass im Fall einer unerwartet schleppenden Konjunkturerholung die Zinssenkungsrunde noch lange nicht beendet ist", so Manley. Er erwartet, dass die Zinsen so lange sinken, bis sich eine konjunkturelle Stabilisierung oder Erholung abzeichnet. In den Modellportfolios des Brokerhauses wurde der Prozentsatz von Anleihen um fünf auf 30 Prozent angehoben. Der Anteil an Barmitteln fällt dementsprechend von fünf auf null Prozent. "Mit der Entscheidung, den Rentenanteil im Portfolio aufzustocken, schließen wir eine preiswerte Versicherung gegen Verluste ab", begründet Manley den Schritt.

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