Lieber kleckern als klotzen
Gründer: Helden der Krise

Pleitewelle in der New Economy, Abstürze am Neuen Markt: Das Geld für Gründer ist so knapp wie nie. Trotzdem schaffen es Neu-Unternehmer auch heute, Startkapital zu akquirieren.

DMEuro DÜSSELDORF. Doch, es gibt sie noch: Mutige Jungunternehmer, die sich in das Abenteuer Existenzgründung stürzen, und ebenso mutige Geldgeber, die es finanzieren. Wie sehr Investoren inzwischen jedoch das Feuer scheuen, belegt die Förderstatistik der Deutschen Ausgleichsbank in Bonn, Hauptanlaufstelle für Gründer, die zinsgünstige Kredite suchen: Noch im Hype-Jahr 2000 reichten die Bonner Geldgeber stattliche 505 Millionen Euro Beteiligungskaptial an 642 Unternehmen weiter. Heute sind es gerade einmal 28 Firmen-Engagements mit einem Gesamtinvestment von 10,3 Millionen Euro.

Die Gründer von heute haben aus den Fehlern ihrer Vorgänger gelernt. Ihr Erfolgsrezept: Mit einer zukunftsweisenden Idee, Beharrlichkeit und einem Unternehmenskonzept, das fast vom Fleck weg schwarze Zahlen ermöglicht, überzeugt die zweite New-Economy-Generation selbst kritische Investoren.

Clever kleckern

Ein Beispiel: Alltagsfrust brachte Markus Schneider auf seine Geschäftsidee. "Ich brauchte Wochen", erinnert sich der damals frisch geschasste Projektmanager des Internetdienstleisters Supernet, "um mit meinem neuen Videorecorder zurecht zu kommen". Der 33-Jährige witterte die Marktlücke und handelte. Seit Jahresbeginn bietet Schneiders Frankfurter Firma UseGate Marktforschung und Beratung für Hersteller von technischen Geräten und Software an. Mit wissenschaftlichen Tests hilft der Gründer seinen Kunden, Unterhaltungselektronik und Software so zu entwickeln, dass Nutzer sie später leicht handhaben können.

Schneiders Idee - in den USA bereits erfolgreich - hätte die Geldgeber vielleicht schon überzeugt. Doch der Volks-wirt ging auf seiner Finanzierungs-Roadshow kein Risiko ein: Im Gründerzentrum Frankfurt schrieb er unter Profi-Aufsicht seinen Businessplan, recherchierte Fördermöglichkeiten und ließ sich für sein Gespräch mit Banken beraten. Die generalstabsmäßige Vorbereitung zahlte sich aus. Bei fünf Geldhäusern klopfte Schneider an, vieren konnte er sein Konzept vorstellen. "Von zwei Banken bekam ich eine Finanzierungszusage", freut sich der Gründer. Seine von Anfang an zur Deckung der laufenden Kosten angestrebte Startfinanzierung der Deutschen Ausgleichsbank in Höhe von 50000 Euro betreut jetzt die Volksbank Main-Taunus, "weil die weniger bürokratisch gewesen sind".

Auch nach der Finanzspritze blieb Schneider auf dem Teppich. Seine Geschäftsräume, in denen Fahrzeugkon-strukteure neue Softwareprogramme, Senioren Handys oder Teenies Prototypen einer Spielkonsole testen können, teilt er sich mit einem anderen Marktforschungsinstitut. "Ich habe die Investitionen ganz bewusst klein gehalten", bekennt der Jungunternehmer. "Denn ich wollte weder fremde Anteilseigner im Boot haben, noch Risikokapitalgeber, die eine hohe Kapitalrendite anstreben." Auch künftig will Schneider lieber clever kleckern als sinnlos klotzen. Etappenziel 2005: die Marktnische sicher besetzen und UseGate als Marke etablieren. Wenn dann die Gewinnschwelle erreicht ist, soll UseGate auf 10 bis 12 Mitarbeiter angewachsen sein.



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