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Lieber nackt, als korrupt

Frauen spielen bei brasilianischen Korruptionsskandalen regelmäßig entscheidende Rollen. Oft sind es Sekretärinnen oder geschiedene Gattinnen, die sich rächen wollen.

Frauen spielen bei brasilianischen Korruptionsskandalen regelmäßig entscheidende Rollen. Oft sind es Sekretärinnen oder geschiedene Gattinnen, die sich rächen wollen. Mit ihren Aussagen in den Untersuchungsausschüssen tragen sie maßgeblich zum politischen Ende ihrer Chefs und Ehemänner bei. Das war schon öfters so. Neu ist, dass einige Damen die Präsenz in der Öffentlichkeit als Chance sehen, um eine neue Karriere zu starten. So hat die Sekretärin des Mannes, der 50 Millionen Reais für die regierende Arbeiterpartei PT besorgt und verwaltet haben soll, dessen Verbindungen zur Regierung und entsprechende Finanztransaktionen bloßgestellt. Stundenlang war Fernanda Karina bei den Ausschusssitzungen auf allen TV-Kanälen des Landes zu sehen. Tagelang beschäftigten sich die Medien mit ihren Aussagen. Dann wandte sich der Untersuchungsausschuss neuen Details zu. Doch bevor das Medieninteresse an Fernanda Karina ganz zu versiegen drohte, erkl ärte diese flink, dass sie ihre neu gewonnene Popularität nutzen werde, um selbst Abgeordnete zu werden. Mehrere Parteien seien auch schon mit ihr im Gespräch; der Kampf gegen die Korruption ihr Anliegen. Die rund eine Million Dollar, die ein Wahlkampf ungefähr kostet, werde sie sich als Honorar vom Männermagazin Playboy bezahlen lassen. Die Zeitschrift habe bereits bei ihr angefragt, ob sie bereit sei zu posieren. "Besser nackt als korrupt" werde ihr Wahlkampfparole sein, so die 32-jährige. Sie sei schon mit Nicole Kidman verwechselt worden, pflichtete ihr Anwalt eilends bei. Das fand der Playboy dann aber nicht und dementierte jedes Interesse. So blieb nur der vermutlich honorarlose Abdruck in der Sonntagsausgabe der renommierten "Folha de São Paulo", wo die rappeldürre Sekretärin sich - bekleidet - nicht ganz überzeugend lasziv auf dem Sofa rekelte. Aber damit dürfte ihr es gelungen sein, sich bei den Wählern bis zum Wahlterm in im Oktober nächsten Jahres in Erinnerung zu halten.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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