Lieferprobleme bei Handys belasten den Gewinn
Ericsson enttäuscht die Börse

Der schwedische Telekom-Konzern Ericsson kann zwar mit einem hohen Gewinnzuwachs für das erste Halbjahr glänzen, die Aussichten für das zweite Halbjahr sind aber trübe. Engpässe in der Chipfertigung führen in diesem Bereich zu Verlusten. Die Börse reagierte mit heftigen Kursverlusten.

gil DÜSSELDORF. Obwohl der schwedische Telekommunikations-Konzern Ericsson seinen Gewinn im zweiten Quartal stark verbessert hat, genügte der Hinweis auf schwächere Ergebnisse für das nächste Halbjahr, um den Kurs der Aktie kräftig einbrechen zu lassen. Das Papier verlor an der Stockholmer Börse mehr als 10 %. Allerdings war Ericsson zuvor von einem Tiefpunkt Ende Juni von 165 skr bis auf 210 skr Mitte Juli gestiegen. Auch Aktien anderer Hersteller von Mobiltelefonen fielen daraufhin, selbst Weltmarktführer Nokia und Siemens verloren leicht.



Ursache der erwarteten geringeren Ergebnisse von Ericsson sind die Schwierigkeiten der Schweden mit der Handyfertigung. Der nach Nokia und Motorola weltweit drittgrößte Hersteller von Mobiltelefonen hat Lieferprobleme. Nach einem Brand in einem Chipwerk von Philips im US-Staat Neu Mexiko, in dem Ericsson zusammen mit Philips einen zentralen Chip für Mobiltelefone produziert, stockt die Produktion. Sie kann nur teilweise aus anderen Quellen bedient werden. Daher häufen sich bei Ericsson unfertige Handys und belasten die Kostenrechnung.



Verminderte Lieferfähigkeit führt zu Verlusten

Die verminderte Lieferfähigkeit wird sich nach Angaben eines Ericsson-Sprechers bis in das dritte Quartal hineinziehen und für den gesamten Bereich Konsumprodukte zu einem Verlust führen. Ericsson schätzt den Verlust aus diesem Vorfall für das Gesamtjahr auf 3 bis 4 Mrd. skr. Der Bereich Konsumprodukte, in dem die Handys enthalten sind, weist für das zweite Quartal einen operativen Verlust von 1,8 Mill. skr (umgerechnet rund 200 Mill. Euro aus.



Die Handysparte hatte bereits in den vergangenen Monaten mit schwachen Ergebnissen zu kämpfen. Es waren bereits Spekulationen aufgetaucht, Ericsson werde sich ganz von der Handy-Fertigung trennen, sie womöglich an Alcatel verkaufen und sich auf die wesentlich erfolgreichere Netzwerktechnik konzentrieren. Diese Vermutungen hat Ericsson-Präsident Kurt Hellström jetzt aber erneut zurück gewiesen: "Die Konsumprodukte sind ein strategischer Teil von Ericsson." Um die Handysparte wieder rentabel zu machen hat Ericsson ein Aktionsprogramm gestartet, das unter anderem eine Beschränkung der Modellpalette und den vermehrten Zukauf bei den Einstiegsmodellen vorsieht. Es sollen aber weiter alle Marktsegmente abgedeckt werden.



Wesentlich erfolgreicher läuft bei Ericsson das Geschäft mit der Netzwerktechnik, das mehr als zwei Drittel des Konzern-Umsatzes ausmacht. Hier stieg der operative Gewinn im ersten Halbjahr von 5,8 auf 15,6 Mrd. skr. Ericsson verweist auf seine gute Stellung bei Netzwerken für die künftigen Mobilfunk-Technologien GPRS und UMTS. Hier habe der Konzern mehr als die Hälfte aller vergebenen Aufträge für sich verbuchen können.



Insgesamt erwartet Ericsson für das Jahr 2000 immerhin eine Umsatzsteigerung von 25 % und eine Umsatzrendite von rund 10 %. Dies liegt allerdings unter den Werten für das erste Halbjahr. Hier verbuchte der Konzern einen Gewinn vor Steuern von 18,6 Mrd. skr gegenüber 4,3 Mrd. skr im ersten Halbjahr 1999. Der bereinigte Gewinn pro Aktie stieg von 0,44 auf 1,13 skr.

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