Liese: „30 Sekunden akzeptabel“
Poker vor dem Team-Zeitfahren

Pokern gehört zum Handwerk. Spätestens seit Lance Armstrongs gespielter Schwäche vor zwei Jahren auf dem Weg nach L'Alpe d'Huez zählt Bluffen zum festen Tour-Repertoire. Am Mittwoch vor dem Mannschafts-Zeitfahren der 90. Frankreich-Rundfahrt über 69 Kilometer von Joinville nach Saint Dizier liegen die Karten neu auf dem Tisch.

HB/dpa SEDAN. "Das ist die erste Schlüsselstelle der Tour. Bianchi und US Postal sind die Favoriten", sagte Once-Teamchef Manolo Saiz vom Vorjahressieger und hatte die Lacher auf seiner Seite.

"Platz fünf wäre schon sehr gut", erklärte Rudy Pevenage von Jan Ullrichs Bianchi-Formation und stapelte damit wahrscheinlich auch etwas tief. Einer seiner Spezialisten, Thomas Liese, der sich vor zwei Jahren in Berlin 40 Minuten am Stunden-Weltrekord versuchte, ist optimistisch: "20 bis 30 Sekunden Rückstand auf die besten Teams Once und US Postal wären akzeptabel." Ullrich hielt sich mit Prognosen zurück, Armstrong versprach erste merkliche Abstände zwischen den Topfahrern: "Danach tut sich was im Gesamtklassement."

Anders als zu Telekom-Zeiten ließ Pevenage sein neues Team diesmal ausgiebig auf der schwierigen Strecke in Nord-Frankreich trainieren. "Nach der Deutschland-Tour sind wir dort in Tour-Besetzung gefahren. Die ersten Kilometer sind besonders wichtig. Da geht es gleich ganz schön hoch. Wenn da einer abgehängt ist, kommt er nicht mehr heran. Da werden bei uns Garmendia und Steinhauser führen", sagte Pevenage, der Hände ringend auf die drei letzten Spezialräder aus Italien für das erste große Tour-Rendezvous der Favoriten wartet. "Harmonie ist alles beim Mannschafts-Zeitfahren", mahnte Liese.

Zur Vorbereitung trainierte der Tour-Debütant aus Sangerhausen im Berliner Olympia-Stützpunkt acht Tage in einer Unterdruck-Kammer, in der durch Sauerstoff-Reduktion Verhältnisse wie im Hochgebirge "bis 5000 Meter" simuliert werden. Die möglichen Auswirkungen des Zeitfahrens im Klassement seien laut Pevenage auch mit einer Bergetappe zu vergleichen: "Das ist wie L'Alpe d'Huez". Liese: "Wenn ein Mitfavorit zwei Minuten auf Armstrong verlieren würde, wäre das in den Alpen nur sehr schwer wieder aufzuholen". Auch er spüre den "besonderen Druck", der auf allen Fahrern laste.

"Jeder hat irgendwie Angst vor diesem Tag. Der eine befürchtet, dass er abgehängt werden könnte, der andere will im Kampf ums Gelbe Trikot keine Zeit verlieren. Wir haben auch Angst", sagte Pevenage, der seine Tour-Mannschaft besonders unter dem Gesichtspunkt dieses Zeitfahrens zusammengestellt hat. Der Belgier sieht aber die besten Trümpfe bei Armstrongs US-Postal-Team, das vor zwei Jahren beim Mannschafts-Zeitfahren gestürzt war: "Sie hatten beim Prolog in Paris vier Mann unter den ersten 15 - das ist ein gutes Zeichen."

Olaf Ludwig vom Team Telekom traut Bianchi "eine positive Überraschung" zu und beeilt sich zu erwähnen, dass sein besonderes Augenmerk am Mittwoch aber nicht auf den nationalen Konkurrenten liegt: "Wir fahren für uns". Ludwig sieht seine Equipe durch den Tour-Ausfall der starken Zeitfahrer Paolo Savoldelli und Cadel Evans und den nach seinem Sturz beeinträchtigten Andreas Klöden gehandicapt. Gerolsteiner hofft im kollektiven Kampf gegen die Uhr auf den positiven Einfluss der Zeitfahr-Spezialisten Michael Rich (Vize-Weltmeister) und Uwe Peschel (WM-Dritter).

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