Liga leidet unter Wirtschaftskrise
Mit der Familienpizza zum Titelgewinn

Beim World Bowl im schottischen Glasgow stehen sich Deutschlands Football-Erzrivalen gegenüber: Düsseldorf Rhein Fire trift auf Frankfurt Galaxy. Auch wirtschaftlich nehmen die deutschen Klubs eher eine Ausnahmestellung ein.

DÜSSELDORF. Solch eine Bestellung bekommt der Zimmerservice des Thistle- Hotels in Glasgow nicht alle Tage: eine Familienpizza mit extra Käse und eine Flasche Cola Light - für zwei Personen. Beim Öffnen der Tür dürfte dem Kellner aber klar gewesen sein, dass von der Teigscheibe nichts übrig bleiben würden, standen vor ihm doch zwei 140-Kilo-Männer, die etwas zu feiern hatten: einen Profivertrag in der American-Football-Liga NFL.

Mittwoch Abend erfuhr Patrick Venzke, gebürtiger Essener und Spieler bei Rhein Fire, dass die Indianapolis Colts ihn verpflichten wollen, nachdem er in den vergangenen beiden Jahren bereits in der NFL spielte. Und dies feierte er mit Teamkollege Peter Heyer.

Anreisen will er mit einem Ring am Finger: Den bekommt der Sieger des World Bowl, des Endspiels der NFL Europe, dem Europa-Ableger der NFL. Ein hartes Stück Arbeit wartet auf ihn, im Endspiel geht Samstag Abend geht es gegen den Erzrivalen Frankfurt Galaxy.

Ausgetragen wird das deutsche Duell in Glasgow. Wie beim großen Bruder in den USA wird der Austragungsort des Endspiels Monate vorher festgelegt, damit sich die jeweilige Stadt ins World-Bowl-Fieber steigern kann. Dies dürfte in Glasgow bestenfalls erhöhte Temperatur erreichen: Rund 10 000 Zuschauer kamen zu den Heimspielen der Scottish Claymores, eine kleine aber treue Fanschar.

Ohnehin leidet die Liga unter der Wirtschaftskrise. Die Amsterdam Admirals stagnieren bei knapp 10 000 Zuschauern bei jedem Heimspiele, Barcelona begrüßte gerade mal 4 000 bis 8 000.

Auch bei den drei deutschen Teams herrscht kein grenzenloser Jubel - aber auch keine Depression. Die Galaxy spielt im halb renovierten Waldstadion mit einer maximalen Kapazität von 26 000, der Zuschauerschnitt lag darunter - im Vorjahr unterstützten noch 34 000 Fans die Männer in lila.

Die andere bespielte Baustelle ist das Olympiastadion, in das Berlin Thunder zog. Ergebnis: 23 Prozent mehr Zuschauer für den Tabellenletzten, 12 200 waren es im Durchschnitt. "Wir haben mit dem Umzug den richtigen Akzent gesetzt", meint General Manager Michael Lang. Auch Rhein Fire musste sich an eine neue Spielstätte gewöhnen. Das Rheinstadion wird neu gebaut und so zog das Team in die Arena Auf Schalke. Dort erreichte man fast den gleichen Zuschauerschnitt von 33 000. "Wir haben eine Superresonanz gefunden, die Arena hat gezeigt, dass sie Football-tauglich ist", meint General Manager Alexander Leibkind zufrieden.

Vielleicht werden es in der kommenden Saison noch mehr Zuschauer. Denn es besteht die Aussicht, am Saisonende den World Bowl live zu sehen. Leibkind versucht das Endspiel 2004 nach Gelsenkirchen zu holen. Er trifft aber auf harte Konkurrenz: "Wir versuchen alles", verspricht Berlins Manager Lang.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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