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Linde gibt Gas

Der Traditionskonzern ist nicht mehr langweilig, bietet Anlegern aber immer noch solide Gewinnaussichten.

Ein alter Bekannter mit neuem Gesicht - so präsentiert sich der traditionsreiche Investitionsgüterhersteller Linde AG seit der Übernahme des schwedischen Gaseherstellers AGA. Damit hat laut Analysten das Image vom alten Maschinenbaukonzern - seit Anbeginn im Dax vertreten - ausgedient. Denn von den vier Standbeinen Fördertechnik, Kältetechnik und Anlagenbau gewinnt der Bereich Technische Gase immer mehr an Profil.

Trotz seiner soliden Ertrags- und Finanzlage und einer Unternehmensführung der "ruhigen Hand" fristet jedoch der Aktienkurs von Linde bei langfristiger Betrachtung zu anderen Standardwerten im Dax eher ein Schattendasein. Der private Anleger verbindet mit dem Namen "Linde" vor allem Kühltheken in Supermärkten und vielleicht noch Gabelstapler. In der Zeit der Technologiehausse konnte man damit keine Kursphantasie wecken. Da schaffte auch eine aufwendige Werbekampagne, die den Investoren Linde als Geheimtipp verkaufen wollte, nur wenig Abhilfe. Das könnte sich aber mit der 1999 übernommen AGA ändern, sehen doch Analysten in den Bereichen technische und medizinische Gase das größte Wachstumspotenzial. Wurde die Akquisition anfangs wegen der hohen Kosten mit Skepsis gesehen, machen sich bereits die versprochenen Synergien bemerkbar. Der Umsatzanteil der Sparte beträgt über 40 %. Mit einer Marge von mehr als 15 % ist dieses Arbeitsgebiet mit Abstand das profitabelste.

Immerhin hat sich der Kurs in den letzten Monaten - auch dank der Turbulenzen bei Technologietiteln und der Flucht der Anleger in Qualitätswerte - gut entwickelt. Die Zahlen, die Linde Mitte der Woche veröffentlichte, lagen am unteren Ende der Erwartungen und haben den Kurs gedrückt. Insgesamt gilt die Aktie im Vergleich zu den französischen Wettbewerbern Air Liquide und amerikanischen Air Product oder zur britischen BOC als niedrig bewertet. Ein direkter Vergleich ist allerdings wegen der verschiedenen Sparten von Linde nicht ohne weiteres zu ziehen. Analysten beklagen zudem die mangelnde Transparenz bei der Veröffentlichung von Quartals- und Spartenergebnissen.

Zum anderen erscheint die Konzernstruktur mit den vier Standbeinen vielen nicht mehr zeitgemäß. Experten sehen darin einen Grund für die schlechte Akzeptanz an den Kapitalmärkten. Während andere Konzerne die Konzentration auf Kernbereiche verfolgen, hält man bei Linde an den einzelnen Arbeitsgebieten fest. Begründet wird dies damit, dass - neben den Synergien unter einander - die Diversifizierung in schwierigen Zeiten stabile Ertragsaussichten biete.

Von den anderen Standbeinen trägt vor allem die Fördertechnik mit rund 35 % einen weiteren erheblichen Anteil zum Umsatz und damit auch zum Ertrag bei. Mit den Marken Linde, Still und Fiat OM ist das Unternehmen nach eigenen Angaben der weltweit führende Hersteller von Staplern und Lagertechnikgeräten. Bei Kältetechnik war das Geschäftsjahr von Preisdruck und rückläufiger Nachfrage des internationalen Lebensmittelhandels, des größten Abnehmers für gewerbliche Kühl- und Tiefkühlgeräte, geprägt. Immerhin stieg der Umsatz im abgelaufenen Jahr um 5 %, allerdings schrieb die Sparte bis zum Herbst rote Zahlen. Die Auftragseingänge signalisieren stagnierende Nachfrage. Mit einem Anteil von elf Prozent ist dies der kleinste Arbeitsbereich. Im Anlagenbau erstellt Linde schlüsselfertige Industrieanlagen u.a. für petrochemische und chemische Produktionsstätten, Raffinerien und zur Erzeugung von Luftgasen und Wasserstoff. Abrechnungsbedingt verminderte sich zwar der Umsatz in 2000, der Auftragseingang legte jedoch um fast 17 % zu. Der Linde-Konzern ist besonders in Europa und Osteuropa gut aufgestellt. Expansionspläne gestalten sich hier wegen kartellrechtlicher Einschränkungen schwierig. Wo bieten sich also weitere Wachstumschancen? Mit einem Marktanteil von sechs Prozent in Nordamerika will sich Linde nicht zufrieden geben und sucht vor allem für den Gasebereich nach Partnern oder Übernahmeobjekten. Für die Bereiche Förder- und Kältetechnik wurden die Fühler bereits nach Asien und Südamerika ausgestreckt.

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