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Lingua franca in der kleinen PR-Agentur am Rande der Stadt

Wer voran kommen will im Leben, wer Kämpfe siegreich bestehen und den Gegner schlagen will, der muss heute mehr als seine Muttersprache beherrschen. Auch in der medium transactor minimus am Rande der Stadt. Der Chef hat eine merkwürdige Art, Erfolge zu feiern.

Wer voran kommen will im Leben, wer Kämpfe siegreich bestehen und den Gegner schlagen will, der muss heute mehr als seine Muttersprache beherrschen. Auch in der medium transactor minimus am Rande der Stadt.

Der Chef hat eine merkwürdige Art, Erfolge zu feiern. Je besser es nämlich läuft in der kleinen PR-Agentur am Rande der Stadt, desto mehr muss gearbeitet werden. OK, wenn es schlecht geht, soll ebenfalls härter gearbeitet werden - aber dann ist ja nicht so viel Arbeit da.

Doch derzeit geht es der kleinen Agentur prima. Sie ist sogar als Referenzkunde beim PR-Mitteilungsmassenversand Pressebox genannt worden:

"Das rentiert sich für alle - nicht nur für kleine PR-Agenturen am Rande der Stadt!"

E igentlich wollte der Chef Pressebox verklagen, Werbung mit fremdem Namen und so. Dann hat er nen kräftigen Rabatt ausgehandelt und war glücklich. Vor allem, weil jetzt auch das Wireless Security Unternehmen Bluesocket zum Kundenstamm gehört.

Wegen dem geht Senior Consultant Alexandra kurz vor Harald-Schmidt-Sendebeginn noch einmal zu ihrem persönlichen Wasserkasten in der großen Küche der kleinen PR-Agentur. Die letzte Flasche Volvic naturelle ist - verschwunden. "Schweine", murmelt sie leise, so dass Junior Consultant Tanja-Anja nichts hört. Für diesen Wasserklau gibt es Rache.

Alexandra kann sich denken, wer dahinter steckt: Tanja-Anja und Senior Consultant Sabine. "Aber ihr macht es hier auch nicht mehr lang", grummelt Alexandra, öffnet den Kühlschrank und will sich eine Red-Bull-light-Dose aus dem Bestand von Sabine angeln. Sie stutzt: Sabine hat ihre Snacks und Getränke doch tatsächlich in eine große Tupper-Box gepackt - mit Vorhängeschloss.

Grimmi g kehrt sie in den Konferenzraum zurück, wo sie mit Tanja-Anja an einer Pressemitteilung für Blusocket arbeitet. "Sag mal, Alex: Was heißt eigentlich Socket auf deutsch? Wäre das was für die Überschrift?" Alexandra erkennt ihre Chance: "Socken, heißt das."

"Echt?"

"Du weißt doch, dass ich meinen Master of Public Communications am Walden College gemacht. Englisch ist meine Lieblingssprache! Ist so wie mit Bluetooth, das heißt ja auch Blauzahn."

Tanja-Anja stutzt, grübelt. "Wenn wir das jetzt fertig machen, bin ich vor Mitternacht noch zuhause", denkt sie. "Wie wär's mit:

Wählt die blauen Socken!
Bluesocket startet ein neues EMEA Partnerprogramm

als Überschrift?"

Alexandras Gesicht wird überflutet von Glück: "Ja, super, toll, der Bezug z um Wahlkampf - genial!" Sie reißt ihre Hand zum High Five hoch - doch Tanja-Anja schlägt nicht ein. Nach einer peinlichen Sekunde klopft Alexandra die Junior Consultant auf die Schulter: "Schluss für heute, lass uns gehen!"

Zwei Tage später gibt es dann richtig Ärger. Bluesocket findet es begrenzt lustig als "Socke" bezeichnet zu werden. Der Chef hat Tanja-Anja zusammengebrüllt, Alexandra nicht. Die hatte am Morgen nach der langen Arbeitsnacht noch eine E-Mail an ihn geschickt: "Hatte schreckliche Migräne, Pressemitteilung fast fertig. Tanja-Anja kümmert sich um die Überschrift."

Und deshalb brodelt es in der kleinen PR-Agentur. "Rache für die Socke" heißt das neue Motto von Tanja-Anja und Sabine. Und auch Rache für Praktikantin Julia. Die ist nach einer kleinen Auszeit wieder da.

Schnell ergibt sich die Gelegenheit: Die Deutsche Bahn klopft beim Chef an."W ollen für den Weltjugendtag eine Kommunikation, die alle Pilger erreicht", sagt er ins Großraumbüro. "Alex, Julia - ran!"

Die beiden schauen sich leicht angewidert an und ziehen sich in den Konferenzraum zurück.

"Die hat keine Idee", flüstert Julia in der ersten Pause zu Sabine. Die Senior Consultant streicht sich langsam über den linken Ärmel der neuen rosa Burberry-Bluse. "Dann hilf ihr doch mal. Dir kann nichts passieren, den Ruhm will Alexandra mit Sicherheit allein für sich. Die Bahn ist schließlich ein großer Kunde. Also hör zu..."

Ein paar Minuten später grübelt Alexandra noch immer über dem Laptop.
"Wie wäre es denn, wenn wir versuchen mit einer Pressemitteilung alle Pilger zu erreichen?", fragt Julia

"Super Idee", antwortet Alex entnervt. "Eine PM in 2000 Sprachen übersetzt - verschicken wir doch gleich nen Telefonbuch."

"Nein, die sprechen da doch alle Latein."

< p>"Was?"

"Ja, Du bist evangelisch, oder? Da ist das anders. Aber meine Eltern sind doch erzkatholisch. Die sprechen mit ihrem Pfarrer sogar manchmal Latein."

Alex stutzt. "Aber kannst Du Latein?"

Julia streicht über den linken Arm ihrer weißen H&M-Bluse. "Klar. Großes Latinum!"

"Dann mach"

Einen Tag später geht die Pressemitteilung raus. Zwei Tage später teilt die Bahn mit, künftig lieber in Sachen PR alleine arbeiten zu wollen.

Diurnariis edocendis nuntiatio 77/2005

Herausgeber: Deutsche Bahn AG

Kommunikation, Potsdamer Platz 2, 10785 Berlin

Societatem Ferriviariam Germanicam salutem mittere

Summo Pontifici Benedicto XVI° concelebrantibusque Conventum Mondialem Iuventutis XXum

Exspectari in parte Germaniae Inferioris ad Rhenum sitae decies fere centena milia iuvenum ex civitatibus plus CLX convenientium · Societatem Ferriviariam Germanicam hamaxostichos extraordinarios CXLII ad commeationem longinquam sustentandam suppeditare, tesserulas pretii favorabilis offerre (Berolini, die 15° m. Aug. a. 2005) Ex die 15° ad diem 21um m. Aug. tota regio Rhenensis nulla alia in re nisi in Conventu Mondiali Iuventutis celebrando occupata erit. Illuc complura centena milia iuvenum fidei catholicae addictorum ex toto orbe terrarum advenient, quippe quos Summus Pontifex vocaverit iam XXum ad Conventum; cuius est initium Missae die 16° m. Aug. tenendae Dusseldorpii Bonnae Coloniae Agrippinae, qua in urbe Summus Pontifex Benedictus XVIus ex die 18° ad diem 21um m. Aug. morabitur.

Auctores exspectant, ut plus quam novies centena milia hominum in campo Mariae in pago inter Rhenum Erftumque fluvios sito Conventum Missa communi die 21o m. Aug. concludant. Societas Ferriviaria Germanica pro sua parte studet, ut Conventum Mondialem concelebrantes quam maxime diebus festis perfruantu r. Hartmutus Mehdorn Societatis praeses „valde gaudemus", inquit, „quod papa Benedictus XVIus nos visitat et Conventus Mondialis Iuventutis XXus agitur in Germania. Quae res nobis est maximum incitamentum et munus, quod toto animo et studio omni suscipimus."

Nemo est qui neget vias principales et rete ferriviarium in Germania occidentali propter Conventum commeatu affluere frequenti,  frequentissimo autem die 21° m. Aug., qui dies feriis et in Rhenania-Guestfalia et in quibusdam Batavorum regionibus afferet finem.

Qua de causa Societas Ferriviaria iamdudum diligenter meditata est, quomodo commeatio vicinalis longinquaque stabiliretur. Ex die 15o ad diem 21um Societas Ferriviaria Germanica hamaxostichos extraordinarios CXLII sedum centum triginta miliorum ad commeationem longinquam sustentandam suggerit, necnon mandantibus conventus auctoribus curavit una cum societate vecturae publicae Rheno-Sigensi (VRS), ut hamaxostichi civitatenses frequentius veherentur et MCCL hamaxostichi regio nales extraordinarii suppeditarentur.

Societas Ferriviaria ex die 10° ad diem 23um m. Aug. viatoribus blandimento tesserulas pretii favorabilis offert, quae Euronis XXXIX constant, si viritim, Euronis XXIX, si gregatim in secunda classe iter ad Conventum faciunt (pretia scilicet itineris singularis).

(Danke an Felix Hansel und Claudia Tödtmann)

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