Linux ist nicht abzuhängen
Microsoft stürmt auf Rechenzentren

Mit dem neuen System Windows Server 2003 könnte Microsoft nach Ansicht vieler Experten tatsächlich der Sturm auf die Rechenzentren gelingen. Dort stehen heute vor allem Unix-Rechner von Sun Microsystems, IBM, HP und anderen Herstellern.

HB/dpa SAN FRANCISCO. "Ich kann es nicht fassen. Ein Computer mit Windows Server 2003 kann mehr Datenanfragen bewältigen als jeder andere Großrechner auf der Welt." Die Begeisterung von Microsoft-Chef Steve Ballmer über den neuen Weltrekord des "Superdome"-Rechners von Hewlett-Packard mit 658 277 Transaktionen pro Minute bei der Einführung des neuen Betriebssystems war nicht gespielt. Wie ein erfolgreicher Basketball-Trainer klatschte Ballmer Intel - Geschäftsführer Paul Otellini ab, der dem Publikum der "Launch-Show" in San Francisco die Nachricht von dem neuen Rekord überbrachte.

"Wir können jetzt gegen die teuersten Rechner in der Welt antreten", sagte Bill Gates in einem Interview - und kaum jemand widerspricht dem Microsoft - Gründer. Die größte Herausforderung für den weltgrößten Softwarekonzern ist jedoch nicht die Eroberung der großen "Datacenter", sondern der Wettbewerb mit dem freien Betriebssystem Linux.

Das Marktforschungsinstitut Forrester Research hatte zuletzt die Meinung vertreten, dass Linux am meisten davon profitieren werde, wenn preiswerte Hardware auf Basis der Chips von Intel und AMD immer leistungsfähiger werde. In einer Umfrage bei 50 Technikchefs von Unternehmen mit jeweils mehr als einer Milliarde Dollar Jahresumsatz fand Forrester heraus, dass die überwiegende Mehrheit verstärkt auf Linux setzen will. Zuvor hatten bereits Experten von Goldman Sachs vorausgesagt, dass die Linux-Bewegung eine Dominanz von Microsoft im Server-Markt verhindern wird.

Goldman Sachs rechnet damit, dass der Marktanteil von Microsoft im Markt der Unternehmenssoftware in den kommenden drei Jahren stagnieren wird. Linux dagegen könne seinen Anteil ausbauen. Und die Marktforscher der Meta Group gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2007 etwa die Hälfte aller neuen Server mit Linux betrieben wird.

Verstärkt wird dieser Trend durch die Entscheidung der Microsoft - Wettbewerber IBM, Sun und Oracle, immer größere Teile des eigenen Geschäfts auf Linux zu setzen.

In den vergangenen Monaten hatte sich Microsoft schwer getan, die richtigen Argumente gegen Linux zu finden. Ballmer verstieg sich zunächst in polemische Attacken und bezeichnete das hinter Linux stehende Lizenzmodell der Open-Source-Bewegung als "Krebsgeschwür".

Dann legte Microsoft eine selbst in Auftrag gegebene Studie vor, wonach die kostenfreie Linux-Lizenz wegen höherer Wartungskosten auf die Dauer teuer zu stehen kommen könne. Nun scheint Microsoft sich auf eine bewährte Taktik zu besinnen, mit der bereits der "Browser"- Krieg gegen Netscape Ende der neunziger Jahre gewonnen wurde: das Schnüren von Paketen.

Im Kampf gegen Netscape hatte Microsoft den Web-Browser Internet Explorer so eng mit dem dominierenden PC-Betriebssystem Windows verknüpft, dass für Netscape kein Platz mehr blieb. Nun rechnen Experten damit, dass die Entwickler von Gates und Ballmer das allgegenwärtige Büroprogramm Microsoft Office eng mit den so genannten Back-Office-Servern verbinden werden.

"Microsoft vermarktet bereits heute seine verschiedenen Server als einheitliche Lösung, die eng in den Windows-Schreibtisch und die Office-Produkte integriert werden kann", schreibt Matthew Kelly, Analyst der Deutsche Bank Securities in einem aktuellen Report. "Von einem gewissen Punkt an muss Microsoft sein Ass im Ärmel wirksam ausspielen, dass es über 90 Prozent der Informationsarbeiter besitzt. Und wir glauben, dass Microsoft dies eher früher als später machen wird."

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