Linux vs. Windows
Microsoft will Bundestag Geheimcode von Windows öffnen

Im Streit um eine mögliche Ablösung der Windows-Computer im Bundestag durch das freie Linux-System ist Microsoft in die Offensive gegangen. Die deutsche Niederlassung des weltgrößten Softwarekonzerns in Unterschließheim bei München bot am Freitag Bundestag und Bundesinnenministerium den Zugriff auf den so genannten Quellcode von Windows an, den gewöhnliche Microsoft-Kunden nicht ohne weiteres einsehen können.

dpa BERLIN/MÜNCHEN. Microsoft wolle damit auf die Diskussion um angeblich versteckte Funktionalität im Windows- Betriebssystem reagieren. Die Vorsitzende des zuständigen Bundestagsauschusses für Kultur und Medien, Monika Griefahn (Grüne), begrüßte das Verhalten des Softwarekonzerns als "einen Schritt vorwärts".

Im Bundestag ist derzeit auf rund 5000 Bürorechnern das ältere Microsoft-System Windows NT 4 installiert, für das in absehbarer Zeit die technische Unterstützung durch den Hersteller ausläuft. Seit mehreren Monaten läuft im Parlament eine interne Debatte, ob der Bundestag künftig Rechner mit dem neuen Microsoftsystem Windows XP angeschaffen oder ob das offene Linux-System eingesetzt werden soll. Der Computerkonzern IBM bemüht sich zusammen mit dem Linux- Spezialisten SuSE um den Auftrag.

Befürworter der Linux-Lösung wie der SPD-Abgeordnete Jörg Tauss hatten insbesondere darauf verwiesen, dass die Microsoft-Software ein Sicherheitsrisiko darstelle, da ein Großteil der Computerviren durch Lücken in den Microsoft-Systemen verbreitet würden. Außerdem sei nicht klar, welche Funktionen überhaupt in den Microsoft-Programmen stecke. Ins Gerede kamen die Microsoft-Systeme Windows 2000 und XP unter anderem durch die Integration des Programms "Diskeeper". Die Software zur Datenpflege wurde von einem US-Unternehmen entwickelt, das von einem bekennenden Scientologen geführt wird.

Griefahn sagte, Microsoft habe Angst, den Prestige trächtigen Auftrag im Bundestag zu verlieren. "Microsoft hätte sich nicht geöffnet, wenn wir diese Debatte nicht geführt hätten." Der Deutsche Bundestag werde im Frühjahr 2002 nach objektiven Kriterien entscheiden. "Wir überprüfen, ob Preis und Leistung stimmen und ob die Sicherheit gewährleistet ist."

Microsoft betonte, die Lizenzierung des Windows-Quellcodes sei an sich nichts Neues. Großkunden erhielten seit jüngster Zeit im Rahmen eines speziellen Programms sogar automatisch ein Recht auf die kostenfreie Lizenzierung des Quellcodes, mit der die Programmzeilen offen gelegt werden. "Gerade im politischen Bereich wächst die Forderung nach erhöhter Transparenz im Bereich des Quellcodes, um das Vertrauen der Nutzer in die Integrität der genutzten Produkte sicherzustellen", sagte der Deutschland-Chef von Microsoft, Kurt Sibold. Er würde sich freuen, wenn der Bundestag von dem Angebot Gebrauch machen würde. "Dieser Schritt würde gleichzeitig das Ende vieler unbegründeter Spekulationen bedeuten, die schließlich enorme Ressourcen auf beiden Seiten des Verhandlungstisches in Anspruch genommen haben."

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