Linux wird zur Alternative
Auf dem Desktop hat es der Pinguin noch schwer

Linux erfreut sich auf den Großrechnern von Firmen und Behörden wachsender Beliebtheit. Auf dem PC der Angestellten und Privatanwender hat es das Betriebssystem mit dem Pinguin aber immer noch schwer. Warum dies so ist und was getan werden muss, um Microsoft auch dort Paroli bieten zu können, war eines der Hauptthemen auf dem Linuxtag in Karlsruhe.

WiWo/ap KARLSRUHE. Einer der Hauptredner der größten Linux-Veranstaltung in Europa war Matthias Kalle Dalheimer, Mitbegründer des KDE-Projekts für den wohl meist verbreiteten grafischen Linux-Desktop. "Haben wir versagt?" fragte Dalheimer mit Blick auf die zögerliche Akzeptanz von Linux bei den Privatanwendern. Entschieden widersprach er aber der oft geäußerten Ansicht, dass Linux noch nicht reif sei für den Desktop.

Dalheimer verwies darauf, dass in einigen Firmen Linux schon seit Jahren auf Arbeitsplatzrechnern zur alltäglichen Büroarbeit eingesetzt wird. Auch der oft gehörte Hinweis, es gebe nicht genügend Software, sei falsch. Gerade in den vergangenen Jahren seien viele Desktop-Programme auf Linux übertragen werden. Sicher habe die für Linux zur Verfügung stehende Software noch einige Lücken, besonders wenn es um Layout- oder Buchhaltungsprogramme gehe. Aber dessen ungeachtet sei er sich sicher, dass das freie Betriebssystem jetzt auch im Desktop-Bereich auf dem Sprung sei, allgemein akzeptiert zu werden.

Viele scheuen den Umstieg von Microsoft

Wichtig für den Desktop sind natürlich die grundlegenden Büroprogramme wie Textverarbeitung und Tabellenkalkulation. Und hier herrscht Microsoft noch weitgehend unangefochten. Die meisten Nutzer hätten sich an Programme wie Microsoft Word gewöhnt und scheuten die Unsicherheit eines Umstiegs, sagte Dalheimer. Das oft gehörte Argument, die Office-Programme für Linux könnten nicht gut genug mit Microsoft-Formaten umgehen, wollte Dalheimer so nicht gelten lassen. Der Trend gehe hier ohnehin zu offenen Standards wie XML zum Speichern von Dokumenten.

Behörden und Verwaltungen sind Vorreiter

Behörden und Verwaltungen nehmen inzwischen weltweit eine Vorreiterrolle beim Einsatz von Linux ein. Dabei werden zumeist zwei Gründe genannt: Geld und Sicherheit. Vom Einsatz freier Software erhoffen sich die Verwaltungen vor allem mehr Unabhängigkeit von einem einzelnen Software-Hersteller und mehr Freiheit bei der Entscheidung, wann sie eine neue Version der Software einführen.

Software-Monokulturen, die anfällig für Virenangriffe und andere Sicherheitsprobleme sind, sollen verhindert werden. Die Office-Programme werden dabei als weitgehend gleichwertig betrachtet, Unterschiede in der Bedienung gibt es - zumindest bei den bekannteren Programmen - nicht.

Alles eine Sache der Gewohnheit?

Auf dem Linuxtag in Karlsruhe mangelte es auch nicht an praktischen Beispielen für den Einsatz von Linux auf dem Desktop, ob in Firmen oder Behörden. Wichtig sei vor einem Umstieg vor allem eine genaue Analyse der PC-Arbeitsplätze und der Frage, welche Aufgaben dort zu erledigen seien, erklärte Manuel Schönburg, Systemadministrator beim Bundesbeschaffungsamt in Bonn.

Eine Umstellung brauche auf jeden Fall die Akzeptanz der Mitarbeiter. Diese wollten zum Beispiel ihre gewohnte Benutzeroberfläche behalten, was aber inzwischen mit Linux kein Problem sei. Auch bei den E-Mail-Programmen gebe es mit Evolution inzwischen eine Software, die sich an Outlook von Microsoft orientiert habe und den Umstieg einfach mache.

Vielleicht ist ja doch nur die Gewohnheit der Grund dafür, dass Windows und die Microsoft-Office-Programme die Arbeitsplatzrechner beherrschen. Wie sehr die Microsoft-Produkte schon die allgemeine Sprache beherrschen - auch bei Leuten, die seit Jahren Linux einsetzen - zeigte ein kleiner Lapsus während eines Vortrags auf dem Linuxtag. Natürlich, so der Redner, habe er seine "Powerpoint-Präsentation, nein, seine Präsentation mit freier Software erstellt". Das Microsoft-Programm Powerpoint ist inzwischen zum Synonym für Computer-Präsentationen geworden, so wie auch Word oft als Synonym für Textverarbeitung benutzt wird. Und daran ändert auch die schönste freie Software nichts.

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