Lipobay-Affäre
Bayer wirbt mit ganzseitigen Anzeigen um Vertrauen

Mit ganzseitigen Anzeigen in Tageszeitungen hat der Bayer-Konzern am Montag um Vertrauen in der Lipobay-Affäre geworben. Unabhängig von der Affäre will der Konzern bis 2005 weltweit 4 000 Arbeitsplätze abbauen. Bayer-Aktien beflügelt

dpa-afx LEVERKUSEN. Mit ganzseitigen Anzeigen in Tageszeitungen hat der Bayer-Konzern am Montag um Vertrauen in der Lipobay-Affäre geworben. "Bayer ist und bleibt ein gutes und vertrauenwürdiges Unternehmen", hieß es in den als "Offener Brief der Bayer AG" deklarierten und von Konzernchef Manfred Schneider unterzeichneten Anzeigen. Darin betonte Schneider erneut, der Rückzug von Lipobay habe den Leverkusener Konzern zwar "erschüttert - aber nicht in den Grundfesten": "Bayer wankt nicht."

Kritik des Bundesfinanzministeriums zurückgewiesen

Zugleich wies der Bayer-Chef mit Nachdruck die Kritik des Bundesgesundheitsministeriums an der Informationspolitik des Unternehmens zurück. Vielmehr habe Bayer "stets im Sinne der Patientensicherheit gehandelt". Die die seit Tagen stark geschwächte Bayer-Aktie legte zu, nachdem britische Medien über Kaufinteresse des Pharmariesen Glaxo Smith Kline an der Bayer-Pharmasparte berichtet hatten.

"Alle wesentlichen Informationen" eines Bayer-Berichtes vom 15. Juni hätten dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bereits Ende April vorgelegen, bekräftigte Schneider. "Es kann keinesfalls von einer unakzeptablen Informationspolitik die Rede sein." Das Berliner Gesundheitsministerium wirft Bayer vor, das BFArM habe erst im August den Bericht erhalten, über den der Konzern bereits im Juni verfügt habe.

Keine Beweise für Zusammenhang zwischen Lipobay und Todesfällen

Schneider äußerte sich in der Anzeige erneut betroffen über die weltweit 52 Todesfälle, die mit dem Cholesterinsenker Lipobay in Verbindung gebracht werden. "Unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen all jener Menschen, deren Tod möglicherweise mit der Einnahme unserer Medikamente in Verbindung stehen soll." Allerdings gebe es für einen Zusammenhang der Todesfälle mit der Lipobay-Einnahme "derzeit keine Beweise".

Bayer hatte Lipobay vor eineinhalb Wochen vom Markt genommenen. Nach dem Rückzug des Medikaments kündigte Schneider an, der Konzern werde seine Pharma-Sparte auf den Prüfstand stellen und "in wenigen Wochen" ein Konzept zu den Konsequenzen aus dem Lipobay-Skandal vorlegen.

Schnelle Restrukturierung geplant - 4 000 Stellen gestrichen

Unabhängig von der Affäre will der Konzern bis 2005 weltweit 4 000 Arbeitsplätze abbauen. In der Anzeige bekräftigte Schneider, das Unternehmen werde die bereits beschlossenen Restrukturierungsmaßnahmen "schnell umsetzen" und damit seine Zahlen "deutlich verbessern". Außerdem wolle der Pharma- und Chemiekonzern "das verloren gegangene Vertrauen möglichst schnell zurückgewinnen".

Die Bayer-Aktie gewann wegen der Spekulationen über einen Verkauf der Pharma-Sparte an Wert: Im elektronischen Xetra-Handel der Deutschen Börse stieg der Titel am Montagvormittag zwischenzeitlich um vier Prozent auf 34,69 ? (67,85 DM), bevor die Kursgewinne wieder auf 2,5 % abschmolzen. Nach Angaben des "Sunday Telegraph" könnte der selbst aus einer Fusion entstandene britische Konzern GlaxoSmithKline bis zu 15 Mrd. Dollar (rund 32 Mrd. DM/16,4 Mrd. ?) für die Pharma-Sparte des Leverkusener Konkurrenten zahlen.

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