Lipobay beschäftigt Justiz
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bayer

Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Manager der Bayer AG wegen des Verdachts auf fahrlässigen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz.

agr/ho KÖLN. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Manager der Bayer AG wegen des Verdachts auf fahrlässigen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz. Oberstaatsanwalt Jürgen Kapischke erläuterte am Montag in Köln, es bestehe aber nur ein ganz geringer Anfangsverdacht gegen den Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern. Seit einigen Tagen liegen Strafanzeigen von vier Männern vor, von denen aber nur zwei den Cholesterinsenker Lipobay eingenommen hatten und dies ohne einen Schaden davonzutragen.

Die Staatsanwaltschaft will jetzt vor allem prüfen, wann Bayer von den Problemen einer gleichzeitigen Einnahme von Gemfibrozil und Lipobay erfahren hat und wann Bayer reagiert hat. Bei dieser Kombination von Medikamenten sind lebensgefährliche Nebenwirkungen aufgetreten. Ein fahrlässiger Verstoß gegen das Gesetz könne auch vorliegen, wenn Bayer das Medikament nicht rechtzeitig zurückgerufen hat. Kapischke sieht bisher keine Anhaltspunkte für Todesfälle in Deutschland durch die Einnahme von Lipobay. Weltweit werden 52 Todesfälle geprüft, darunter sieben in Deutschland.

Börse zeigt sich unbeeindruckt

Bayer signalisierte Kooperationsbereitschaft. Der Konzern habe jederzeit verantwortungsvoll und im Interesse der Patienten gehandelt, sagte ein Sprecher. Er sei überzeugt, dass die Ermittlungen dies bestätigten.

Die Börse zeigte sich von dem Verfahren unbeeindruckt. Die Aktie fiel in einem schwachen Umfeld moderat im Kurs. Die Nachricht interessiere den Markt kaum, sagten Händler. Die in den USA drohenden Schadensersatzklagen seien bedrohlicher. Julius Bär sprach sogar eine Kaufempfehlung für Bayer aus, da der Rechtsstreit schon im Kurs berücksichtigt sei.

Bayer hatte Lipobay wegen vermehrter Meldungen über Muskelzersetzung als Nebenwirkung vom Markt genommen. Das Bundesgesundheitsministerium wirft Bayer aber vor, nicht unverzüglich über die Risiken informiert zu haben. Bayer hat dies mehrfach zurückgewiesen. Wegen dieser Ordnungswidrigkeit droht dem Konzern ein Bußgeld von 50 000 DM.

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