Lipobay-Debakel hat Folgen
Bayer erwägt Partnerschaft mit anderen Pharma-Riesen

Das Lipobay-Debakel hat Folgen: Bayer-Chef Schneider will nicht mehr ausschließen, dass sich der Konzern im Pharmageschäft mit einem Konkurrenten zusammentut

dpa LEVERKUSEN. Nach dem Debakel mit dem Arzneimittel Lipobay erwägt der Bayer-Konzern, seine angeschlagenen Pharma-Sparte unter Umständen von einem Konkurrenten führen zu lassen. Von den bisherigen Vorstellungen im Pharmageschäft müssten Abstriche gemacht werden, sagte Vorstandschef Manfred Schneider am Montag in Leverkusen. Er schloss erstmals nicht mehr aus, dass die Bayer AG bei einer möglichen Pharmafusion auch die unternehmerische Führung abgibt. Zu einem Verkauf des Bereichs werde es aber nicht kommen.

In den USA wurde mittlerweile gegen die Bayer AG wegen der Todesfälle im Zusammenhang mit der Einahme des Lipobay/Baycol erhoben.

Vor dem Vermarktungsstopp für den Cholesterin-Senker Lipobay/Baycol am vergangenen Mittwoch hatte Bayer bereits Probleme mit seinem Blutgerinnungsmittel Kogenate. Mit diesen Medikamenten seien gleich zwei Grundpfeiler der Pharma-Sparte für einen gewissen Zeitraum weggebrochen, erläuterte Schneider.

Der vom Markt genommene Cholesterin-Senker Lipobay/Baycol wird inzwischen mit weltweit 52 Todesfällen in Verbindung gebracht. Fünf Fälle davon entfielen auf Deutschland. "Unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen all jener Menschen, deren Tod möglicherweise mit der Einnahme unserer Medikamente in Verbindung stehen soll", sagte der Konzernchef. Gleichzeitig betonte er, dass es dafür derzeit keine Beweise gebe.

Bei den Meldungen fehlten häufig Hinweise, ob von den Patienten zugleich auch andere Medikamente eingenommen wurden. Der freiwillige Vermarktungsstopp sei erfolgt, als klar geworden sei, dass bestimmte Risiken nicht ausgeschlossen werden könnten. Auch die Ärzte und Apotheker habe Bayer so schnell wie möglich informiert, verteidigte Schneider die Informationspolitik des Unternehmens.

Die Rücknahme des Medikament hat Folgen sowohl für die Belegschaft als auch für die Aktionäre: Zu den 4000 Stellen, die Bayer ohnehin abbauen will, komme ein weiterer Arbeitsplatzabbau im Konzernbereich Gesundheit hinzu. Genaue Zahlen nannte Schneider nicht. Der Stellenabbau solle sozialverträglich erfolgen.

Für die Aktionäre bedeute der Vermarkungstopp eines der wichtigsten Arzneimittel von Bayer sowie der Gewinneinbruch im ersten Halbjahr 2001 eine geringere Gewinnausschüttung. Die Dividende des Vorjahres von 1,40 Euro je Aktie müsse reduziert werden. Gleichzeitig machte Schneider den Aktionären Hoffnung auf bessere Zeiten: In der Pharmaentwicklungs-Pipeline befänden sich 42 Produkte, davon 18 schon in der klinischen Prüfung. Die technischen Probleme mit Kogenate würden bis Anfang nächsten Jahres gelöst.

Die Bayer-Aktie verlor nach den schlechten Nachrichten in den vergangenen fünf Tagen rund 20 % an Wert. Am Montag erholte sich das Papier wieder. Bis zum Mittag kletterte die Aktie um knapp 2 % auf 36,70 Euro.

"Bayer ist kein Sanierungsfall", unterstrich Schneider am Montag. Jetzt zeige sich die Stärke der Vier-Säulen-Strategie des Konzerns, die einige Analysten und Investoren in der Vergangenheit kritisiert hatten. Derzeit würden nur zwei Säulen, die Landwirtschaft und die Chemie, eine insgesamt stabile Ergebnisentwicklung aufweisen. Die Pharma-Sparte, die zum Gesundheitsbereich des Konzerns gehört, belegte bislang im weltweiten Vergleich den 16. Platz. Ziel war es, unter die Top 10 der Branche vorzustoßen.

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