Lipobay-Rückzug und schwache Konjunktur belasten Gewinn überraschend stark
Bayer-Chef gibt trüben Ausblick

Für den neuen Bayer-Chef Werner Wenning waren die ersten Monate im Amt alles andere als rosig: Der Pharma- und Chemiekonzern hat im ersten Halbjahr überraschend wenig verdient und erwartet in den nächsten Monaten kaum konjunkturelle Besserung. Im nächsten Jahr will Wenning Bayer aber wieder auf den Wachstumspfad bringen.

bef DÜSSELDORF. Die Leverkusener Bayer AG hält zwar trotz des kräftigen Gewinnrückgangs im zweiten Quartal an ihrer Prognose fest, den Konzerngewinn in diesem Jahr zu steigern. Allerdings muss Bayer dies allein durch den Verkauf von Beteiligungen schaffen, denn das operative Geschäft wird kaum dazu beitragen: Zu schwachbrüstig sind derzeit die konjunkturabhängigen Bayer-Chemietöchter und zu groß weiterhin die Probleme in der Gesundheitssparte. Noch dazu drückt die Lateinamerikakrise auf die Gewinne.

All dies führte bei Bayer im zweiten Quartal zu einem Umsatzrückgang von 7 % auf 7,3 Mrd. Euro und zu einem Einbruch beim operativen Gewinn vor Sonderfaktoren von 41 % auf 318 Mill. Euro. Der Nettogewinn summierte sich trotz der Einnahmen aus dem Verkauf der Restanteile an Agfa-Gevaert nur auf 293 Mill. Euro. Das sind 48 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten mit wesentlich mehr gerechnet. Entsprechend reagierte die Börse. "Die Ergebnisse sind fast durchweg enttäuschend", sagte Analyst Ulrich Huwald von M.M. Warburg. Die Aktie des Bayer-Konzerns sank zwischenzeitlich um rund 5 %.

Bayer-Chef Werner Wenning, der Anfang Mai die Konzernführung übernommen hatte, erwischte damit einen schwachen Start. Viel Besserung versprach er vorerst auch nicht: "Wir können keine Anzeichen für einen spürbaren Aufschwung noch in diesem Jahr erkennen", lautete sein trüber Ausblick.

Wenning geht es wie vielen seiner Kollegen in der Chemieindustrie: Vor wenigen Monaten noch glaubten sie fest an das Wiedererstarken der Konjunktur im zweiten Halbjahr, nun winken sie ab und hoffen auf 2003. Wenning sieht Bayer im "Jahr des Übergangs, in dem die Grundlage für weiteres Wachstum geschaffen wird".

Dazu müsste aber nicht nur die Konjunktur wieder anspringen, sondern auch das Problem im Pharmageschäft gelöst werden. Vor allem durch den Ausfall des vom Markt genommenen Cholesterinsenkers Lipobay sank der Umsatz der Gesundheitssparte im ersten Halbjahr um 11 % auf 4,8 Mrd. Euro, der operative Gewinn fiel um 16 % auf 440 Mill. Euro. "Die Rendite ist sehr unbefriedigend", diagnostizierte Wenning - sie liegt im Vergleich zur Konkurrenz bei schwachen 9,2 %.

Dazu trug auch bei, dass das Blutdruckmittel Adalat verstärkt Konkurrenz durch Nachahmermittel bekommt und das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten wie Aspirin unter der Lateinamerikakrise leidet - der Umsatz in diesem Geschäftsbereich ging unter anderem deswegen um 10 % zurück. Hingegen scheinen die Herstellungsprobleme beim Blutgerinnungsmittel Kogenate gelöst - die Produktion steigt.

Der Währungsverfall in Argentinien und Brasilien schlägt sich bei Bayer am deutlichsten im Landwirtschaftsgeschäft nieder. Die Latinokrise drückte den Gewinn der Sparte im ersten Halbjahr um 60 Mill. Euro. Mit der jüngst erworbenen Aventis Cropscience (ACS) ist Bayer künftig noch stärker in der Region vertreten.

"Die schwachen Agrochemieergebnisse sind die größte Überraschung bei den Bayer-Zahlen", sagte Analyst Ludger Mues von der Bank Sal. Oppenheim. Die einst stolze Umsatzrendite von 22 % schmolz im ersten Halbjahr auf 8,4 %, was auch an hohen Integrationskosten und Abschreibungen lag. Aber auch ohne ACS ist der Gewinn im zweiten Quartal um fast die Hälfte gesunken.

In den konjunkturabhängigen Chemie- und Polymersparten spürte Bayer keine nachhaltige Belebung, vielmehr ließ der Kampf um Anteile auf den schwachen Märkten die Preise deutlich sinken, was wiederum Umsatz und Gewinn bei diesen Tochtergesellschaften kräftig drückte.

Das einzig positive bei den Bayer-Zahlen, so resümierte Analyst Andreas Theisen von WestLB Panmure, sei der geringere Schuldenstand: Wenning schaffte es durch geschicktes Management im ersten Halbjahr, die Verbindlichkeiten des Konzerns von über 15 auf 12,1 Mrd. Euro zu drücken.

Quelle: Handelsblatt

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