Lipper stellt Bewertungskonzept vor
Gedränge auf dem Markt für Fonds-Ratings

Jetzt bietet die achte Gesellschaft deutschen Anlegern ihre Fonds-Ratings an: Gestern stellte die amerikanische Lipper Limited im Rahmen eines Pressegesprächs in Frankfurt ihr Konzept vor.

FRANKFURT/M. Der Lipper-Auftritt kommt relativ spät, denn andere bekannte internationale Ratinganbieter sind hier zu Lande in den letzten Jahren bereits aktiv geworden.

Bei den Bewertungen handelt es sich um eine Art Schulnote für Investmentfonds. Diese Noten als Ergebnis einer umfassenden Fondsanalyse sollen dem Anleger Entscheidungshilfe bei der Auswahl unter den inzwischen mehr als 5 000 angebotenen Produkten geben. Experten sind allerdings uneins, ob die erreichte Fülle an Konzepten nicht für zusätzliche Verwirrung sorgt und damit den ursprünglichen und sinnvollen Rating ad-Gedanken absurdum führt.

In Deutschland offerieren jetzt drei international renommierte Häuser ihre Ratings: Standard & Poor?s (S & P), Morningstar und Lipper. Dazu kommt die Vermögensverwaltungs- und Fondsresearchfirma Feri Trust als sehr bekanntes nationales Haus. Darüber hinaus sind mit FondsConsult, Südprojekt nd Sauren Financial Group drei weitere Adressen im Markt.

Vergabe von Schulnoten

Die Zur Reuters-Gruppe gehörige Lipper verfolgt wie beispielsweise auch Feri und Morningstar einen "quantitativen" Ratingansatz, wobei Experten gerne von Ranking sprechen. Grundlage der Fondsbewertung ist in diesen Fällen ausschließlich die Datenbankauswertung der historischen Anteilpreisentwicklungen. Lipper offeriert unter der Dachmarke "Lipper Leaders" zwei separate Bewertungen für Kapitalerhalt und konsistente Rendite. Im ersten Fall untersuchen die Lipper-Analysten bei Aktien-, Renten- und Mischfonds alle Dreimonatsrenditen während der vergangenen drei Jahre und vergleichen die Ergebnissen mit den Resultaten der Konkurrenzfonds. Anschließend bekommen alle Fonds im besten Fünftel des Vergleichsfeldes die Bestnote "1". Die fünf Noten umfassende Skala endet bei der schlechtesten Bewertung "5".

Die zweite Einstufung orientiert sich nicht am Ziel Kapitalerhalt, sondern an einer möglichst stetig erzielten überdurchschnittlichen Rendite. Hier berechnet Lipper für eine spezifische Fondsgruppe, beispielsweise europäische Aktienfonds, die Mehrrendite gegenüber den Konkurrenzprodukten. Die Notenskala ist identisch. Mit dem ersten Ratingschema will Lipper die konservativen und nach Kapitalerhalt strebenden Anleger ansprechen, mit dem zweiten die nach Renditechancen strebenden.

Otto Kober, Researchchef bei Lipper, sieht sich trotz des späten Auftritts für den deutschen Marktauftritt gut gerüstet: "Wir haben etwas länger gebraucht, weil wir die höchstmögliche Datenqualität sicherstellen wollten." Angesichts der steigenden Zahl von Ratinganbietern in Deutschland kann er sich durchaus einen Verdrängungswettbewerb vorstellen. "Der eine oder andere wird vielleicht aussteigen, denn die Datenerhebung und-pflege verlangt einen hohen Aufwand", erklärt er. Allerdings: "Mehr Anbieter bringen auch mehr Qualität und Wettbewerb; vier große Adressen verträgt der deutsche Markt."

Sättigungsgrenze erreicht

Auch Min Sun sieht bei vier großen Gesellschaften eine Grenze: "Wir sind jetzt am Limit." Der Geschäftsführer von Feri Trust verweist auf den Markt für Anleihe-Ratings: "Da haben sich drei Große durchgesetzt." Mehr Anbieter als jetzt seien kaum zu verkraften: "Sonst brauchen wir ein Rating für die Rater."

"Wir marschieren Richtung Sättigung", kommentiert Anne Connelly die Lage. Die Geschäftsführerin der deutschen Dependance der amerikanischen Ratinggesellschaft Morningstar glaubt: "Es ist ziemlich anstrengend für den Anleger, die einzelnen Konzepte zu unterscheiden." Sie rechnet mit einer Weiterentwicklung des Ratinggedankens: "Die Fondsportfolioanalyse wird wichtiger werden, denn es kommt darauf an, was im Fonds ist."

James Tew erwartet weitere Anbieter für "qualitative" Ratings, bei denen die Analysten der Agenturen nach Gesprächen mit den Verantwortlichen der Investmentgesellschaften ihre Einschätzungen der Fondsmanagementqualität in Noten bündeln. Tew ist bei Standard & Poor?s verantwortlich für die qualitativen und damit subjektiven Ratings: "Gerade institutionelle Anleger und Berater fragen nach diesen detaillierten Bewertungen, die ihnen nützliche Hintergrundinformationen liefern."

Im Unterschied zum rein quantitativen Ranking kommen die qualitativen Ratings nur auf Anfrage der Investmentgesellschaften und gegen Bezahlung zustande. "Unserer Erfahrung nach qualifizieren sich nur die besten zwanzig Prozent für eine solche Bewertung", erklärt Tew.

S & P ist die einzige Agentur, die beide Bewertungskonzepte anbietet. Frank Fischer, Europadirektor bei S & P und zuständig für Investmentfonds, sieht darin keinen Widerspruch: "Auch die quantitativen Modelle haben durchaus ihren Sinn, weil sie zweidimensional sowohl die Performance als auch das Risiko in die Bewertung einschließen." Tew: "Bei der Vorauswahl der Kandidaten für ein qualitatives Rating kommt man daran ohnehin nicht vorbei."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%