Lipskys Weltsicht
Bernankes erster Schritt

Die nicht abreißenden Diskussionen und Spekulationen über die künftigen Schritte der Fed unter den Marktteilnehmern scheinen in vielerlei Hinsicht ein wenig am Ziel vorbeizugehen.

Die Finanzmarktteilnehmer werden sich heute definitiv nicht auf die Zinserhöhung durch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) konzentrieren. Da eine Anhebung des Zielsatzes für Fed Funds um 25 Basispunkte auf 4,75 Prozent buchstäblich sicher scheint, warten die Investoren und Analysten gespannt auf die Erklärung des für die Geldpolitik zuständigen Offenmarktausschusses (FOMC) nach der Sitzung. Die Worte der Währungshüter werden auf Hinweise untersucht, ob der restriktive Zinszyklus möglicherweise gestoppt wird.

Die nicht abreißenden Diskussionen und Spekulationen über die künftigen Schritte der Fed unter den Marktteilnehmern scheinen in vielerlei Hinsicht ein wenig am Ziel vorbeizugehen. Schließlich geben die Fed-Vertreter ja nicht einmal vor, dass sie selbst einen klareren Blick auf die künftigen wirtschaftlichen Entwicklungen hätten als andere. Überdies sind sie viel offener und „transparenter“ geworden, was die längerfristigen Ziele ihrer Geldpolitik angeht. Unklar bleibt bei den geldpolitischen Entscheidungen allein, welche wirtschaftlichen Veränderungen konkrete Schritte zur Folge haben.

Grundsätzlich streben die Währungshüter eine mit Blick auf das Wachstum und die Inflation neutrale Geldpolitik an. Seit Ende vergangenen Jahres verzichten sie sogar auf eine begleitende Argumentation. Mehr noch, es sind zurzeit weder monetäre Anreize noch Bremsmanöver erforderlich. Die wirtschaftliche Entwicklung scheint der „zentralen“ geldpolitischen Ausrichtung und dem Ausblick auf 2007 des FOMC zu entsprechen.

Unter diesen Umständen kann es nicht überraschen, dass die Anleihemärkte bei Papieren mit langer Laufzeit weitgehend in einer engen Handelsspanne verharren, während sich die Aktienmärkte aufwärts bewegen. So blieb etwa die Rendite zehnjähriger Treasuries zum Ende der vergangenen Handelswoche mit 4,66 Prozent unverändert. Der S&P-500-Index rückte auf 1 302 Punkte vor und hat sich seit Jahresanfang um fast 4,5 Prozent verbessert. Um diesen günstigen Trend umzukehren, müsste sich schon abzeichnen, dass sich die Ausrichtung der Kennzahlen für Wachstum und/oder Inflation grundlegend verändert hat – oder dass die amerikanische Notenbank einen überzogen restriktiven Kurs einschlägt.

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