Lipskys Weltsicht
Die Anleger sind irritiert

Eine ganze Reihe von Ereignissen belastet derzeit die Stimmung der Anleger. Die US-Notenbank Federal Reserve hat zwar erwartungsgemäß den Zielsatz für Fed Funds auf fünf Prozent erhöht, dabei aber nicht wie erhofft eindeutig signalisiert, bei den Zinsanhebungen eine Pause einlegen zu wollen.

Gleichzeitig sind die Rohöl- und Rohstoffpreise erneut gestiegen. Und neue Konjunkturdaten legten nahe, dass das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im ersten Quartal auf eine Jahresrate von fast sechs Prozent revidiert werden könnte. All diese Faktoren schienen die Befürchtung zu erhärten, dass die Inflationsrisiken steigen. Als Reaktion darauf sanken die Aktien- und Rentenmärkte, der Dollar gab nach. Viele Marktanalysten hoben denn auch ihre Prognosen sowohl für die zukünftigen Zinsschritte der Fed als auch für die Bond-Renditen an.

Es ist allerdings ganz und gar nicht klar, ob die Irritationen der Investoren durch die fundamentalen Entwicklungen gerechtfertigt sind. Schließlich befindet sich der reale, inflationsbereinigte Fed-Funds-Satz nach dem letzten Zinsentscheid der US-Notenbank nun in einem Bereich, der in der Vergangenheit mindestens als leicht restriktiv erachtet worden wäre. Die flache Renditekurve bei den Treasuries unterstreicht die Botschaft, dass das Wachstum durch die Politik der Fed in den kommenden Monaten zumindest ein wenig gedämpft werden wird.

Und die Arbeitsplätze nehmen in einem nur mäßigen Tempo zu – im Gegensatz zu den Behauptungen, die Lage am Arbeitsmarkt habe sich so weit verschärft, dass Inflationsrisiken geschaffen würden. Zudem wird die Kaufkraft der Konsumenten durch die höheren Energiepreise bedroht. Daher gibt es gute Gründe für die Erwartung, dass sich das BIP-Wachstum auf ein Tempo verlangsamen wird, das zumindest vorübergehend hinter dem Trend zurückbleiben wird.

Daher überzeugen die Rechtfertigungen für die verstärkten Inflationsängste der Anleger – wie sie sich in der verbreiterten Spanne zwischen den indexbereinigten und den herkömmlichen Treasury-Renditen widerspiegeln – nicht. Interessanterweise öffnet sich diese Schere regelmäßig genau zu diesem Zeitpunkt im Jahr, nur um sich danach wieder zu schließen. Vielleicht liegt das ja einfach nur am Frühling!

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