Lipskys Weltsicht
Die Fed kann auch anders

An den Finanzmärkten rechnen die Teilnehmer in den kommenden Monaten mit mindestens zwei weiteren Leitzinserhöhungen in den USA – auf fünf Prozent oder darüber.

Bis jetzt haben die Vertreter der US-Notenbank Federal Reserve öffentlich noch keine Bedenken gegenüber dieser stillschweigenden Übereinkunft des Marktes geäußert. Allerdings hat in der vergangenen Woche der scheidende Vize-Chairman der Fed, Roger Ferguson, einige Hinweise auf die Gedankengänge innerhalb der US-Notenbank geliefert.

In einer Rede über die wirtschaftlichen Aussichten der USA wies Ferguson indirekt auf Faktoren hin, die die Währungshüter veranlassen könnten, die Zinserhöhungen früher einzustellen, als die Investoren dies erwarten. Auch wenn Ferguson den Schluss nicht direkt gezogen hat, war dennoch abzuleiten, dass es keine offensichtliche fundamentale Rechtfertigung für zusätzliche Zinsanhebungen durch die Fed gibt, wenn sich keine Beweise für wachsende Inflationsrisiken finden lassen – wie etwa ein erneuter Anstieg der Energiepreise. Dies träfe insbesondere dann zu, wenn die neuen Konjunkturdaten eine Abkühlung des Immobiliensektors bestätigten und damit anzeigten, dass die Schritte der Notenbank eine maßgebliche zinssensitive Branche bereits abgebremst haben.

Sowohl die Kerninflation als auch die Inflationserwartungen sind gedämpft geblieben, so Ferguson, sogar wenn man die vorhergehende Steigerung der Energiepreise mit einbezieht. Falls sich kein neuer Inflationsschock einstellt, bleibt die Fed-Prognose einer stabilen Kerninflation für 2006/2007 auf Kurs.

Bei der Untersuchung der Risiken für diesen Ausblick verweist Ferguson darauf, dass sich der Immobiliensektor scheinbar merklich abgekühlt hat. Während sich Ferguson auf Untersuchungen bezog, denen zufolge die US-Verbraucherausgaben einer mäßigen Verlangsamung des Immobiliensektors nicht schutzlos ausgeliefert sind, merkte er gleichzeitig an, dass „die Federal Reserve diesen Bereich weiterhin sehr genau beobachten muss“ – eine Formulierung, die typischerweise einen Schwerpunkt der Notenbank signalisiert. Daher könnten Anzeichen, dass sich das Wachstum der Ausgaben der privaten Haushalte etwas verlangsamt hat, den für die Geldpolitik Verantwortlichen bei ihren künftigen Zinsentscheidungen neue Denkansätze liefern.

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