Lipskys Weltsicht
Eine Pause für Bernanke

Das dominierende Ereignis an den Finanzmärkten wird in dieser Woche mit großer Sicherheit das Treffen des für die Geldpolitik zuständigen Offenmarktausschusses (FOMC) der amerikanischen Notenbank am Mittwoch sein.

Für die Anleger steht von vorneherein fest, dass der FOMC den Zielsatz für Fed Funds um weitere 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) auf fünf Prozent erhöhen wird. Der Ausschuss dürfte laut Konsens der meisten Marktbeobachter allerdings mit der Wortwahl seiner nach der Sitzung veröffentlichten Erklärung auch andeuten, dass der künftige geldpolitische Kurs von den neuen Konjunkturdaten abhängt.

Die Marktteilnehmer gehen also zum größten Teil davon aus, dass die Fed – zumindest für eine Weile – mit den Zinserhöhungen innehalten wird. Notenbankchef Ben Bernanke hat den Grund genannt: Das Wachstum wird sich in den kommenden Monaten wahrscheinlich auf ein nachhaltiges, also nicht inflationäres Tempo abschwächen nach einer Jahresrate von plus 4,8 Prozent im ersten Quartal 2006.

Viele Analysten der Wall Street befürchten dagegen, dass die Inflationsrisiken steigen. Ihre Gründe sind seit Jahren gleich: die Verschärfung der Lage auf dem US-Arbeitsmarkt, ein fallender Dollar sowie steigende Energie- und Rohstoffpreise. Mit Blick auf die Expansion der US-Wirtschaft überzeugen diese Warnungen aber heute genauso wenig wie in der Vergangenheit. Da die Gewinnspannen der Unternehmen auf Rekordhöhe liegen, kann man kaum behaupten, der Lohndruck habe inflationäre Ausmaße angenommen.

Für Verwirrung haben die letzten Daten zum US-Arbeitsmarkt gesorgt. Die Nachfrage nach Arbeitskräften war in besser bezahlten Sektoren wie dem Bau relativ groß. Dadurch wurden die durchschnittlichen Lohnkennzahlen verzerrt, weil dort die Beschäftigtenstruktur nicht berücksichtigt wird. Tatsächlich haben sich die Lohnstückkosten nur um 1,5 Prozent auf Jahresbasis erhöht – das ist kein Anlass zur Besorgnis.

Offenbar stützen dieselben Faktoren, die die Durchschnittslöhne nach oben treiben, auch solide Produktivitätssteigerungen. Da das Stellenwachstum nicht über dem Trend liegt, sollte die Entwicklung der Lohnstückkosten ohne Probleme unter Kontrolle bleiben.

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