Lipskys Weltsicht
Erklärung notwendig

Neue Konjunkturdaten und neue geopolitische Wendungen haben die Finanzmärkte in der vergangenen Woche kaum berührt. Die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen haben sich nur marginal verändert. Auch der Aktienmarkt ist nur moderat vorgerückt.

Die Investoren sind offenbar überzeugt, dass die amerikanische Notenbank (Fed) den Leitzins Ende Januar auf 4,5 Prozent anhebt. Mit anderen Worten: Sie gehen davon aus, dass die letzte geldpolitische Maßnahme unter Greenspan eine Inversion der Renditekurve bei den US-Staatsanleihen zum Ergebnis hat, d.h. die Rendite der kurzfristigen Bonds über der für Langläufer liegen wird. Dennoch spiegeln die jüngsten Konjunkturdaten, der Erzeugerpreisindex und der EInzelhandelsumsatz, einmal mehr ein moderates Nachfragewachstum und das Ausbleiben von Inflationsdruck wider.

Vor der Sitzung der Fed Ende Januar steht nur noch eine begrenzte Anzahl Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an. In dieser Woche werden neue Zahlen den Investoren zur rechten Zeit Aufschluss über die Lage auf dem Immobilienmarkt, die Verbraucherpreise im Dezember und die Industrieproduktion geben. Die vielleicht wichtigsten Informationen wird das „Beige Book“ der US-Notenbank enthalten, in dem die Banken jedes einzelnen Fed-Distrikts eine Einschätzung über die wirtschaftlichen Bedingungen in ihren jeweiligen Regionen geben.

Von Einzelheiten einmal abgesehen ist es allerdings klar, dass sich das Wirtschaftswachstum im gerade zu Ende gegangenen Quartal deutlich abgeschwächt hat, möglicherweise auf eine Jahresrate von etwa drei Prozent. Darüber hinaus bleibt das Tempo einer möglichen erneuten Beschleunigung im Ungewissen. So hat der verschärfte Ton im Atomstreit mit Iran in der vergangenen Woche dazu beigetragen, den Preis für Rohöl wieder auf ein Niveau von fast 65 Dollar per Barrel hoch zu treiben. Unter diesen Umständen ist es bemerkenswert, dass zumindest eine weitere Zinserhöhung durch die Fed als selbstverständlich hingenommen wird. Trotz des Lobes für die Bemühungen der Zentralbank um Transparenz, die bei den jüngsten Anhörungen von Ben Bernanke, dem Nachfolger Greenspans, hervorgehoben worden sind: Die Rechtfertigung für weitere Zinsanhebungen ist noch nicht eindeutig und hinreichend dargelegt worden.

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