Lipskys Weltsicht
Hoffnung für Anleihen

Der US-Anleihemarkt hat sich in der vergangenen Woche schlagartig verändert. Die US-Notenbank Federal Reserve hob den Zielsatz für Fed Funds an. Dieser Schritt war zwar erwartet worden. Es kam dennoch zu kräftigen Kursabschlägen.

Der US-Anleihemarkt hat sich in der vergangenen Woche schlagartig verändert. Die US-Notenbank Federal Reserve hob den Zielsatz für Fed Funds, den entscheidenden Leitzins für die USA, von 4,5 Prozent auf 4,75 Prozent an. Dieser Schritt war zwar erwartet worden. Bei den langen Laufzeiten der amerikanischen Rentenmärkte kam es dennoch zu kräftigen Kursabschlägen, während im Gegenzug die Rendite zehnjähriger Schatzanweisungen um fast 20 Basispunkte (0,2 Prozentpunkte) kletterte und am Freitag mit 4,85 Prozent schloss.

Ausschlaggebend für diese Reaktion war die Erklärung der Fed, die den Zinsentscheid begleitete. Zwar deuteten die Währungshüter an, dass sich das Wachstum nach einem Anstieg im ersten Quartal wieder abschwächen dürfte. Aber gleichzeitig äußerten sie sich besorgt, dass künftige Entwicklungen „zum Inflationsdruck beitragen“ könnten. In anderen Worten: Die Notenbank tendiert immer noch zu weiteren Zinserhöhungen – das treibt im Markt die Anleiherenditen nach oben und drückt die Kurse. Gleichzeitig wiesen die Konjunkturdaten der letzten Woche auf ein kräftigeres Wachstum und größere Inflationsrisiken hin als zuvor angenommen – auch das stärkt die Erwartung weiterer Leitzinserhöhungen.

Das Verbrauchervertrauen hat sich im März verstärkt, die Umfragen im regionalen verarbeitenden Gewerbe haben sich verbessert. Die Energiepreise sind weiterhin hoch, und die Rohstoffpreise haben neue Höchststände erreicht. Das spricht für steigende Leitzinsen als Gegenmittel gegen Inflation. Daher ist es keine Überraschung, dass die Investoren defensiv reagieren.

Eine ähnliche Entwicklung gab es bereits im Mai 2004. Damals hatte ein sich beschleunigendes Stellenwachstum die Besorgnis vor einer Überhitzung der Wirtschaft verstärkt.

Damals hellte sich das Bild aber bald wieder auf. Der Inflationsdruck ließ wenig später nach, die Renditen am Anleihemarkt sanken, die Kurse stiegen. Es gibt gute Gründe, die jüngste Entwicklung in einem ähnlichen Licht zu sehen. Die Zinsen der Fed dämpfen jetzt schon das Wirtschaftswachstum, und der Immobilienmarkt schwächt sich ab. Die höheren Energiepreise schmälern die Einkommen der privaten Haushalte. Das spricht dafür, dass die Zinsen doch nicht zu stark ansteigen werden.

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