Lipskys Weltsicht
Schwierige Trendsuche

Die US-Wirtschaft ist im ersten Quartal 2006 erstaunlich stark um 4,8 Prozent gewachsen – nach 1,7 Prozent im Vorquartal. Auch die Konjunkturdaten der vergangenen Woche – der Verkauf von neuen Eigenheimen und der Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter – lagen über den Erwartungen.

Wie kann der US-Notenbankchef Ben Bernanke angesichts dieser Umstände mit seiner Ansicht überzeugen, dass das Wachstum in den kommenden Monaten abflauen wird? Vielleicht lässt sich das Sprichwort „Schön ist, was gefällt“ auch auf die Wahrnehmung wirtschaftlicher Stärke übertragen. Im Besonderen ist es sinnvoll, einen Durchschnitt der Wachstumsrate der letzten beiden Quartale, also 3,25 Prozent, zu bilden. Dadurch würde sich der Zuwachs des letzten halben Jahres um 0,5 Prozentpunkte gegenüber der Jahresrate verringern, die in den sechs vorhergehenden Monaten verbucht worden war. Schließlich waren die Zahlen im vierten Quartal 2005 durch den Wirbelsturm Katrina und den Anstieg der Energiepreise verzerrt worden. Daher wäre die Zunahme im ersten Quartal höchstwahrscheinlich als vorübergehende Erholung zu werten.

Mit anderen Worten: Die Schlussfolgerung, die Wirtschaft habe sich innerhalb der vergangenen sechs Monate leicht abgekühlt, erscheint plausibel. Zudem ist es viel wahrscheinlicher, dass sich das Wachstum in den kommenden Monaten eher verlangsamt. Verschiedene Faktoren wie der erwartete Einfluss der jüngsten Leitzinsanhebungen und der erneut gestiegenen Energiepreise sprechen für diese Ansicht, da sie die Geschäftstätigkeit im Immobiliensektor und die Verbraucherausgaben dämpfen dürften.

In dieser Hinsicht war die jüngste Bekanntgabe des Beschäftigungskostenindex (ECI) für das erste Quartal 2006 wohl die bemerkenswerteste Kennziffer. Der Index sank auf 2,8 Prozent gegenüber 3,1 Prozent im vorherigen Quartal. Daraus folgt, dass der jüngste Rückgang der Arbeitslosenquote von einem sich abschwächenden Wachstum der Vergütungen begleitet worden ist.

Es verwundert nicht, dass die Finanzmärkte gelassen auf die Andeutung von Bernanke reagiert haben, bei den Zinserhöhungen der Notenbank stehe eine Pause bevor. Momentan rechnen offenbar die Anleger und die Fed übereinstimmend kurzfristig mit einem stabilen bis etwas schwächeren Wachstum bei gedämpfter Kerninflation.

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