Lipskys Weltsicht
Stabile Erwartungen

Die Konjunkturdaten der vergangenen Woche haben bestätigt, dass sich das Wachstum der US-Wirtschaft nach einer Schwächephase Ende 2005 im ersten Quartal kräftig erholt hat. Das hat allerdings nichts an der Stimmung der Investoren geändert.

Sie halten weiter daran fest, dass sich das Wachstum in den kommenden Monaten leicht abschwächen wird, dass die Inflationsrisiken gering bleiben und dass es die Geldpolitiker der US-Notenbank ernst damit meinen, die Kerninflation nachhaltig unter zwei Prozent zu halten. Die Renditen lang laufender Anleihen haben daher nicht auf die durchaus guten Arbeitsmarktdaten für Februar reagiert.

Mit anderen Worten: Die Erwartungen an die zukünftige Entwicklung – besonders der Inflationsrisiken – scheinen gut verankert zu sein. Das erklärt auch die Unempfindlichkeit der langfristig ausgerichteten Teile der Finanzmärkte gegenüber kurzfristigen Konjunkturdaten. Schließlich hat die Notenbank den Zielsatz für Fed Funds seit Mitte 2004 um 350 Basispunkte angehoben. Während dieser Zeit sind die Renditen der zehnjährigen Treasuries relativ stabil und zugleich unter dem Rendite-Hoch von 4,9 Prozent geblieben, das 2003 erreicht worden war.

Bisher lagen die Investoren mit ihren Erwartungen richtig. Doch müssen diese stets aufs Neue hinterfragt werden. Ein Rückgang beim Index der Verkäufe bereits bestehender Häuser um fast zehn Prozent seit August 2005 deutet auf die erwartete Wachstumsdelle hin. Allerdings besteht kein Anlass, von einer ausgeprägten Schwäche auszugehen: Der Einkommenszuwachs ist solide, und die Aussichten für Investitionen sind gut.

Was die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik angeht, so hat der Präsident der Federal Reserve Bank of New York, Tim Geithner, in der vergangenen Woche gesagt, dass die Globalisierung zusammen mit umfangreichen Wechselkursinterventionen die Unsicherheit der Fed über die Aussichten und den Einfluss geldpolitischer Schritte erhöht hat.

Als Gegenmittel empfiehlt er Transparenz und Flexibilität. Fed-Chairman Ben Bernanke wird am 20. März vor dem New Yorker Wirtschaftsclub sprechen und damit erstmals vor einem hochkarätigen Publikum der Wall Street auftreten. Er wird die Investoren in ihrer Zuversicht bestärken wollen. Die Chancen stehen gut, dass er damit Erfolg haben wird.

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