Lipskys Weltsicht
Vernünftige Erwartungen

Die US-Konjunkturdaten, die in der vergangenen Woche veröffentlicht worden sind, haben eine Reihe von Überraschungen mit sich gebracht. Am auffälligsten war der unerwartet schwache Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,1 Prozent binnen Jahresfrist im vierten Quartal 2005.

HB DÜSSELDORF. Allerdings wird diese Schwäche, die sich in den neuen Zahlen abbildet, mit großer Wahrscheinlichkeit durch ein kräftiges Wachstum im laufenden Quartal ausgeglichen werden. Die Anleger jedenfalls schienen die Konjunkturdaten zu ignorieren. Der S&P-500-Index ist in der Berichtswoche um zwei Prozent geklettert und hat damit die Verluste der Vorwoche fast wieder ausgeglichen.

Investoren, Analysten und die für die Geldpolitik Verantwortlichen müssen wissen, wann sie sich auf die Logik und ihren gesunden Menschenverstand verlassen und „die Tatsachen“ weniger schwer gewichten sollten.

So ist es etwa leicht nachzuvollziehen, warum im laufenden Quartal wieder über ein anziehendes Wachstum berichtet werden wird – das, auf das Vierteljahr gesehen, vielleicht sogar in einem recht schnellen Tempo zulegen wird. Das Zusammenspiel von Wirbelsturm Katrina mit der Erhöhung des Rohölpreises hatte im letzten Quartal 2005 sowohl den Verbrauch als auch den Investitionszuwachs zeitweilig gebremst. Gleichzeitig ist es aber unwahrscheinlich, dass die Ausgaben der Regierung tatsächlich zurückgegangen sind, so wie sich das in den offiziellen Daten aus der vergangenen Woche dargestellt hat.

In vergleichbarer Weise gibt die moderate Beschleunigung des PCE-Preisindex der Ausgaben für den persönlichen Bedarf in der Kernberechnung im Schlussquartal 2005 hauptsächlich den vorübergehenden Einfluss der höheren Energiepreise wider. Wenn sich die Ölpreise in den kommenden Monaten nicht wieder erhöhen – was unwahrscheinlich ist – dürfte eine erneute Abschwächung bei diesem maßgeblichen Barometer für die geldpolitische Ausrichtung der US-Notenbank für den Rest des Jahres zu erwarten sein.

Daher spiegeln die Kurse an den Finanzmärkten weiterhin vernünftige Erwartungen auf ein solides Wachstum und eine niedrige Inflation wider. Ganz offensichtlich sind die Anleger zu mehr in der Lage, als nur auf die Konjunkturdaten zu reagieren.

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