Lipskys Weltsicht: Warten auf Bernanke

Lipskys Weltsicht
Warten auf Bernanke

Was für eine Woche! Alan Greenspan hat nach 18 Jahren das Amt als Chef der amerikanischen Notenbank Fed niedergelegt. Sein Abschiedsgruß war eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Die Investoren sind nun gespannt auf seinen Nachfolger Ben Bernanke.

US-Präsident George Bush rühmte in seiner jährlichen Rede zur Lage der Nation seine jüngsten politischen Vorschläge. Eine Flut maßgeblicher Konjunkturdaten wurde veröffentlicht und ein Emissionskalender für US-Staatsanleihen mit umfassenden Neuerungen angekündigt.

Die Experten der Wall Street gaben dazu ihre Kommentare ab. So wurde etwa der Rückgang der Arbeitslosenquote auf 4,7 Prozent im Januar als Beweis für eine Verknappung des Angebots auf dem Arbeitsmarkt ausgelegt – trotz der maßvollen Löhne und Gehälter. Eine Verlangsamung des Produktivitätswachstums – und ein damit einhergehender Zuwachs der Lohnstückkosten – wurde als Vorbote eines steigenden Teuerungsdrucks interpretiert.

Und wie reagierten die Finanzmärkte? Gelassen. Die Rendite zehnjähriger Staatspapiere bewegte sich kaum. Der Aktienindex S&P-500 gab in der vergangenen Woche um etwas über ein Prozent nach. Der Dollar blieb nahezu unverändert.

Die Investoren blicken über die kurzfristigen Schwankungen der Konjunkturdaten hinaus. Die US-Wirtschaft ist von einer Reihe von einmaligen Ereignissen beeinflusst worden – wie etwa der Spirale bei den Energiepreisen und ungewöhnlichen Witterungsbedingungen –, die sich aller Voraussicht nach aber nicht nachhaltig auf das Gesamtwachstum auswirken werden. Die Verlangsamung im vierten Quartal 2005 wird einer erwarteten Beschleunigung im ersten Quartal Platz machen, die selbst wiederum vergehen wird. Die Anleger achten daher auf Anzeichen, dass sich die grundlegende Richtung der Wirtschaft geändert hat.

Was bisher aber eindeutig fehlt, ist eine nähere Erklärung für die Entscheidung der US-Notenbank, in der vergangenen Woche die kurzfristigen Zinsen auf eine Höhe mit den Renditen der Langläufer anzuheben – das ist traditionell das Signal für eine restriktive Geldpolitik. Am 15. Februar wird Ben Bernanke zum ersten Mal in seiner Eigenschaft als neuer Fed-Chairman vor dem US-Kongress Rechenschaft ablegen. Die Investoren sind ganz Ohr.

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