Lipskys Weltsicht
Wechsel der Fed-Tonart

Zwei wichtige Entwicklungen haben die Märkte in der vergangenen Woche aufhorchen lassen. Eine bemerkenswerte Entwicklung manifestierte sich in einem offensichtlichen Wechsel der Tonart seitens führender Vertreter der US-Notenbank.

Zwei wichtige Entwicklungen haben die Märkte in der vergangenen Woche aufhorchen lassen. Zunächst einmal sind die langfristigen Zinsen weiter gestiegen. Zum ersten Mal seit vier Jahren wurde die Marke von fünf Prozent überschritten. Gleichzeitig bewegten sich die Aktienmärkte kaum von der Stelle.

Die zweite bemerkenswerte Entwicklung manifestierte sich in einem offensichtlichen Wechsel der Tonart seitens führender Vertreter der US-Notenbank. Betrachten wir zum Beispiel die Rede von Fed-Gouverneur Don Kohn. Kohn, der den Ruf hat, dem früheren Fed-Chairman Alan Greenspan intellektuell vielleicht am engsten verbunden zu sein, ließ wissen, dass der sich abzeichnende Abschwung auf dem Immobiliensektor in den kommenden Quartalen vermutlich das Wirtschaftswachstum dämpfen wird. In diesem Fall „sollte die zugrunde liegende Inflation weitgehend stabil bleiben“, erklärte Kohn. Selbst eine leichte Beschleunigung des Lohnzuwachses „wird voraussichtlich nicht zum Preisdruck beitragen“, führte er weiter aus und verwies auf den Anteil der Löhne am BIP, der auf einen historischen Tiefstand gesunken ist.

Auf Kohns Kernaussage folgte diese Analyse: „ … die Wirtschaft befindet sich in einer Übergangsphase hin zu einem nachhaltigen Wachstumstempo. In diesem Fall wird wahrscheinlich auch die Geldpolitik in eine Übergangsphase eintreten.“ Laut Kohn wird die Notenbank die Konjunkturdaten neu bewerten. Die Faktoren, an denen sich die Geldpolitik orientieren wird, werden die Wachstums- und Teuerungstrends sein.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stimmen die Währungshüter und die meisten Investoren darin überein, dass die Wirtschaftsaussichten höchstwahrscheinlich günstig und auf breiter Front nachhaltig ausfallen werden. Da sich die Kerninflation bereits im Einklang mit den Zielen der Fed entwickelt – was wahrscheinlich auch so bleibt –, geben die langfristigen Zinsen keine Rätsel mehr auf.

Tatsächlich werden sie ziemlich hoch erscheinen, falls die Kerninflation unter zwei Prozent verharrt. Verblüffend ist allerdings, warum der Zielsatz für Fed Funds so hoch angesetzt worden ist, sowohl in Bezug auf die Langfristzinsen als auch im Vergleich zur Kerninflation. Dieser Aspekt wird besonders deutlich werden, wenn die Notenbank – wie allgemein erwartet – die Leitzinsen bei ihrem nächsten Treffen am 10. Mai auf fünf Prozent anhebt.

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