Lipskys Weltsicht
Zeit für eine Ruhepause

Die Finanzmarktteilnehmer sehen sich einer Reihe von widersprüchlichen Faktoren gegenüber: Rohöl hat am Freitag mit 75,17 Dollar per Barrel geschlossen. Auch die Benzinpreise haben schnell auf den Preisanstieg reagiert.

Die Finanzmarktteilnehmer sehen sich einer Reihe von widersprüchlichen Faktoren gegenüber: Rohöl hat am Freitag mit 75,17 Dollar per Barrel geschlossen. Das entspricht einer Verteuerung um mehr als sechs Prozent gegenüber der Vorwoche. Auch die Benzinpreise haben schnell auf den Preisanstieg reagiert. Gleichzeitig deuten schwache Kennzahlen vom US-Immobilienmarkt auf eine mögliche Abschwächung dieses Sektors im zweiten Quartal hin. Der Zuwachs im verarbeitenden Gewerbe verlangsamt sich ebenfalls. Und schließlich gehen die Zinserhöhungen der US-Notenbank Federal Reserve wahrscheinlich auf ihr Ende zu. Dies war dem jüngsten Protokoll des für die Geldpolitik zuständigen Offenmarktausschusses (FOMC) der Fed zu entnehmen. Nimmt man die Konjunkturdaten für bare Münze, dann verweisen sie auf nachlassendes Wachstum und auf steigende Inflationsrisiken. Die US-Währungshüter erwarten, dass zwar ein moderater Wachstumsabschwung wahrscheinlich ist, nicht aber eine Beschleunigung der Teuerung.

Die Anleger gehen stillschweigend davon aus, dass der Anstieg der Rohölpreise dazu beitragen wird, den Zuwachs der Verbraucherausgaben zu dämpfen, nicht aber ihn aus der Bahn zu werfen. Da sich gleichzeitig auch der Immobiliensektor abschwächt, werden sich die Inflationsrisiken trotz der höheren Ölpreise verringern. In diesem Fall ist es gerechtfertigt, dass die Notenbank die Zinsanhebungen einstellt.

Mit anderen Worten: Die Investoren rechnen wieder damit, dass das Zusammenspiel höherer kurzfristiger Zinsen mit den steigenden Energiepreisen eine „Erholungspause“ im Wachstumsprozess schafft. Diese Ruhepause wiederum dürfte Befürchtungen einer inflationären „Überhitzung“ besänftigen. Schon 2004 und 2005 hatte diese Kombination das Wachstum auf Kurs gehalten, während die Kerninflation niedrig geblieben war.

Allerdings ist eine Erholungspause dieses Mal gewaltigeren Anfechtungen ausgesetzt als in den vergangenen beiden Jahren: Die Politik der Fed ist mittlerweile zumindest neutral, während kaum ein Zweifel besteht, dass sich der Immobilienboom abgekühlt hat. Sofern nicht neue, Besorgnis erregende Konjunkturdaten auftauchen, werden die Anleger trotzdem vorsichtig optimistisch bleiben – genau so wie die Vertreter der Notenbank.

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